Geteilter Fahrspaß schont das Klima

Carsharing in Wallenhorst im privaten Alltag angekommen

Klimaschutzmanager Stefan Sprenger (links) mit Christina Benze am Wallenhorster Rathaus, wo zwei Carsharingfahrzeuge von Stadtteilauto zur Verfügung stehen.
Klimaschutzmanager Stefan Sprenger (links) mit Christina Benze am Wallenhorster Rathaus, wo zwei Carsharingfahrzeuge von Stadtteilauto zur Verfügung stehen.

Carsharing – ein Auslaufmodell: So lautet die Einschätzung von Alexander Mankowsky, Mobilitäts-Experte bei Daimler. In 10 bis 15 Jahren werde es Carsharing nicht mehr geben, da niemand auf Dauer sein Gepäck für den täglichen Gebrauch stets aus dem Auto räumen und für die nächste Fahrt wieder mitnehmen wolle. In Wallenhorst sieht man das anders. Dort stehen seit November 2015 ein Elektroauto und ein Auto mit Verbrennungsmotor auf dem Parkplatz am Rathaus allen Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung. Auch die Gemeindeverwaltung nutzt die beiden von Stadtteilauto bereitgestellten Fahrzeuge regelmäßig für ihre Dienstfahrten. Wallenhorsts Klimaschutzmanager Stefan Sprenger ist der Auffassung, dass Carsharing auch bei einer Gemeindegröße wie Wallenhorst funktioniert und somit dazu beiträgt, das Klima weniger zu belasten. Die wichtigste Akteursgruppe beim Carsharing sind die Nutzer aus den Reihen der Einwohner Wallenhorsts. Eine von ihnen, Christina Benze, gibt einen kleinen Einblick in ihren Carsharing-Alltag.

Seit über einem Jahr, nahezu seit der Bereitstellung der Fahrzeuge am Rathaus, ist Christina Benze Nutzerin des Carsharingangebots. Sie wohnt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Hollage-Ost – also nicht in Sichtweite des Fahrzeugstandorts am Rathaus. Dennoch ist der Weg dorthin kein großes Hindernis. „Keine zehn Minuten Fußweg und ich bin da. Oder ich nehme das Fahrrad“, berichtet sie. In der Vergangenheit hat die Familie mehrfach überlegt, sich ein Zweitauto anzuschaffen. An zwei Tagen in der Woche arbeitet die Eventmanagerin in Hamburg. Den Weg dorthin legt sie mit dem Zug oder dem Auto zurück, ihr Mann nutzt das eigene Auto oder das Fahrrad für die tägliche Strecke zur Arbeit. „Tagsüber stand mir somit teilweise kein Auto zur Verfügung. Fürs Einkaufen oder um die Kinder beispielsweise zum Arzt oder nach Bramsche zu fahren, fehlte es mir. So habe ich mir dann manchmal ein Auto von den Großeltern oder von Nachbarn geliehen. Ein Zweitauto wäre also schon praktisch“. Nur, ein Zweitauto ist teuer und würde die meiste Zeit einfach nur rumstehen. Versicherung, Steuern, TÜV, Reparaturen, Sprit und natürlich die Anschaffungskosten. „Man spart enorm, wenn man auf ein Zweitauto verzichtet. Das rechnet sich für uns wirklich“, sagt die gelernte Bankkauffrau. Deshalb hat sie auch nicht gezögert, sich beim Carsharing anzumelden, als sie vom Wallenhorster Angebot erfahren hat. „Carsharing kannte ich zuvor aus meiner Heimatstadt Hamburg, habe es aber nicht genutzt, weil man dort alle Wege super mit dem Fahrrad oder der Straßen- bzw. U-Bahn zurücklegen kann. Das ist in Wallenhorst etwas schwieriger.“

Gebucht werden die Autos per App oder direkt über die Internetseite von Stadtteilauto. Auch per Telefon kann man die Autos buchen. „Das ist super einfach“, schwärmt Christina Benze. „Das funktioniert sowohl weit im Voraus als auch spontan sehr gut“. Bei der Frage, was ihr denn neben der einfachen Buchung sonst so gut am Carsharing gefällt, kommt prompt die Antwort von der guten Betreuung durch das Team von Stadtteilauto sowie der gepflegte und saubere Zustand der Autos. „Toll wäre es allerdings, wenn man auch zum Bahnhof nach Osnabrück fahren und das Auto dort abgeben könnte“, äußert die 46-jährige. „Auch eine Abstellmöglichkeit für Fahrräder direkt beim Standort der Autos wäre wünschenswert.“

Klimaschutzmanager Stefan Sprenger hebt nochmal die große Klimaschutzbedeutung von Carsharing hervor. „Carsharing-Nutzer fahren seltener Auto und nutzen im Durchschnitt öfter klimafreundliche Verkehrsmittel wie das Fahrrad oder den ÖPNV. Außerdem steht in Wallenhorst mit dem Renault Zoe ein Elektrofahrzeug bereit. Und auch bei den Autos mit Verbrennungsmotoren achtet Stadtteilauto darauf, dass die Flotte aus emissionsarmen Fahrzeugen besteht.“ Auch für Christina Benze ist der Umweltgedanke ein ganz wichtiger Punkt beim Carsharing. Der eingangs erwähnten Einschätzung des Mobilitätsexperten von Daimler widerspricht sie ganz klar: „Ich glaube nicht, dass Carsharing ein Auslaufmodell ist. Außerdem haben wir grundsätzlich keine privaten Dinge im Auto. Also brauche ich auch nichts ausräumen.“