Kabarett mit inklusivem Charakter

Rainer Schmidt begeistert und regt zum Nachdenken an

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Mit seinem Programm „Däumchen drehen – Keine Hände, keine Langeweile“ begeisterte Pfarrer, Referent, Sportler und Kabarettist Rainer Schmidt am Samstag (11. Mai) über 200 Gäste in der Gymnastikhalle in Wallenhorst. Nach seinem Auftritt beim Tag des Anstoßes 2017 waren viele Zuschauer wieder gespannt auf den Rheinländer, der im Tischtennis bereits paralympisches Gold holte.

„Wenn du was willst, musst du es selber in die Hand nehmen“, führte Schmidt ein und kündigte an: „Heute Abend nehme ich die Inklusion in die Hand.“ Dabei half ihm sein eigener Lebensweg. Wenn er nicht inklusiv in einem Dorf aufgewachsen wäre, dann könne er jetzt nicht mit seinem Kabarettprogramm auf der Bühne stehen, so der ohne Unterarme und mit einem verkürzten rechten Oberschenkel geborene Schmidt.

Mit seinem teils schwarzen Humor brachte er das Thema Inklusion den Gästen näher und nahm dabei nicht selten den Begriff „Behinderung“ auf die Schippe. Er dürfe das, denn eine Behinderung habe er selbst, wie er sagt, „doch habe ich genug Strategien, mit Grenzen und Gaben ein glückliches Leben zu führen – wie jeder von Ihnen.“

Vieles, was Schmidt an Vorurteilen, übertriebenem Gutmenschentum und ungeschickten Hilfeversuchen so begegnet, wäre sicherlich geeignet, einen Menschen zur Verzweiflung zu bringen. Nicht so Rainer Schmidt. Er dreht den Spieß einfach um. Seine ausgefeilten Attacken auf die Lachmuskeln beginnen meist ganz harmlos, bevor er sie genüsslich ins Ironische steigert. Lachen vereint – und Rainer Schmidt versteht es außerordentlich gut, über das Lachen das Thema Inklusion erfahrbar zu machen.

Man müsse kein Mitleid mit ihm haben, erklärte er und fragte das Publikum: „Was glauben Sie, was ich nicht kann?“ Antwort aus den Zuschauerreihen: „Einen Handstand“. Schmidt konterte: „Wer von Ihnen kann auch keinen Handstand?“ Zahlreiche Gäste hoben ihren Arm. „Dann sind 80 Prozent der Wallenhorster also schwerbehindert?“ – und schon hatte Schmidt das lachende Publikum wieder auf seiner Seite. Er hielt den Gästen den Spiegel vor und konfrontierte sie mit ihren eigenen Urteilen und Vorurteilen, mit ihren Berührungsängsten und ihrem bisweilen begrenzten Denken.

Inklusion heiße für ihn, dass jeder Mensch einen zweiten Blick verdiene, so Schmidt. Jeder habe beim Thema Behinderung Bilder im Kopf und es könnte sein, dass diese nicht stimmten. „Wenn du gesund bist, wurdest du nicht oft genug untersucht.“ Er riet dementsprechend zur Vorsicht, die Menschen in zwei Kategorien aufzuteilen. Inklusion sei die Kunst der Zusammenkunft aller Menschen.