Wir haben die Uhr, sie haben die Zeit

Gäste aus Uganda trugen sich ins Goldene Buch der Gemeinde Wallenhorst ein

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Drei Besucher aus Kumi (Uganda) sind zurzeit in der Kirchengemeinde St. Alexander in Wallenhorst zu Gast. Nachdem sie am Vorabend in einem Gottesdienst in der Alten Kirche von Pfarrer Dietmar Schöneich begrüßt wurden, trugen sie sich am Dienstag (10. September) im Beisein von Bürgermeister Ulrich Belde ins Goldene Buch der Gemeinde Wallenhorst ein.

Father Ocok Charles Wnanga (Gemeindepfarrer von St. Paul in Kumi), Margaret Ekukuriat (Vorsitzende einer dekanatsweiten Frauengruppe und Mitglied im Gemeinderat) und James Obwanga (Protokollführer der „Palex“-Gruppe und Finanzverwalter der Bistumsjugend) sind noch bis Dienstag (24. September) in ihrer deutschen Partnergemeinde zu Besuch, die für sie ein vielseitiges Programm organisiert hat. Neben touristischen Ausflügen nach Osnabrück, Köln und zur Nordsee sind auch Treffen mit Wallenhorster Vereinen und Verbänden sowie Einblicke in verschiedene Lebens- und Wirtschaftsbereiche geplant. So werden die Gäste aus Uganda zum Beispiel einige landwirtschaftliche Betriebe, Kindergärten und Schulen besuchen. Ihren Gastgebern ist es wichtig, einen möglichst facettenreichen Eindruck vom Gemeindeleben in St. Alexander und vom Leben in Deutschland zu vermitteln. „Wir nennen es bewusst Partnerschaft und nicht Patenschaft“ erläuterte Bernhard Plois, „Palex“-Mitbegründer, die Beziehung. Man bewege sich also auf Augenhöhe.

Ziel für beide Seiten ist es, gegenseitig viel über die Welt der jeweils anderen zu lernen. So sollen auch die Wallenhorster bei dieser Gelegenheit einen Einblick in die Kultur Ugandas bekommen. Dazu bietet der organisierende „Palex“-Arbeitskreis gemeinsam mit seinen Gästen beispielsweise einen afrikanischen Musikworkshop an.

Bei ihrem Termin im Wallenhorster Rathaus erläuterten die Besucher den Vertretern der politischen Gemeinde, was seit dem letzten Besuch vor drei Jahren  in St. Paul in Kumi geschehen ist. Johanna Plois erzählte, dass in Kumi eine neue Kirche gebaut werde. Diese würde aus Spenden der Gemeindemitglieder finanziert und könne so nur Stück für Stück errichtet werden. Eine Idee für ein weiteres Projekt sei die Einrichtung einer Bücherei. Hierfür überreichte Belde den Gästen ein Buch über das Osnabrücker Land sowie ein Bild der St. Alexanderkirche. So haben alle Einwohner in Kumi die Möglichkeit, einen Blick auf ihre deutsche Partnergemeinde zu werfen und einen kleinen Eindruck von der Region zu bekommen.

Die gegenseitigen Eindrücke aus dem jeweils anderen Land sind wichtiger Bestandteil der Partnerschaft. Vor allem die persönlichen Besuche tragen dazu bei, die Lebensweise des Partners zu verstehen. „Ein Besuch in einer anderen Kultur ist die beste Schule für Toleranz“, brachte es Bernhard Plois auf den Punkt. Larissa Nardmann berichtete ebenfalls aus eigener Erfahrung von ihrem Freiwilligendienst in Kumi. Sie zeigte sich von ihrem Aufenthalt in Uganda begeistert, insbesondere wegen der fröhlichen und offenen Menschen dort. An deren eher zeitlose Lebensweise hatte sie sich schnell gewöhnt. „Wir haben die Uhr, sie haben die Zeit“ beschrieb sie den Kontrast zum durchorganisierten Leben in Deutschland.

Die Partnerschaft zwischen den katholischen Kirchengemeinden St. Alexander Wallenhorst und St. Paul in Kumi (Uganda) besteht seit November 2009. Ein Brief aus Uganda brachte den Stein für diese Partnerschaft ein Jahr zuvor ins Rollen: Nachdem die Wallenhorsterin Johanna Plois in der afrikanischen Kirchengemeinde einen Freiwilligendienst absolviert hatte und sich die Kontakte zu ihrer Heimatgemeinde St. Alexander auch im Nachhinein hielten und verstärkten, machten die Afrikaner damals den Partnerschaftsvorschlag, dem der Wallenhorster Pfarrgemeinderat nach Beratungen über den Inhalt dieser Beziehung zustimmte.

Langfristig soll die Partnerschaft auf den drei Säulen Spiritualität, Kommunikation und Solidarität aufgebaut sein. Während der gemeinsame christliche Glaube immer die Grundlage aller Aktivitäten bilde (Spiritualität), sollen sich im Laufe der Zeit möglichst viele Kontaktnetzwerke zwischen Einrichtungen, Vereinen und kirchlichen Gruppen in Wallenhorst und Kumi entwickeln (Kommunikation). Füreinander da sein (Solidarität) ist die dritte Säule, die zwischen den beiden Gemeinden wachsen soll. Denn dem Wallenhorster Partnerschaftsarbeitskreis „Palex“ (eine Wortkombination aus St. Paul und St. Alexander) geht es vor allem nicht nur um finanzielle Unterstützung, sondern darum voneinander zu lernen – von der Mentalität, von Ritualen oder anderen Dingen. Das interkulturelle und grenzüberschreitende Lernen soll einen wichtigen Stellenwert einnehmen.

Ausführliche Informationen bietet der „Palex“-Arbeitskreis auch im Internet unter www.mitten-im-web.de/palex an.