"Wer trauert, der erinnert sich"

Feiern zum Volkstrauertag in allen vier Ortsteilen

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An die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft erinnert der Volkstrauertag, der in diesem Jahr am Sonntag (14. November) begangen wurde. In der Gemeinde Wallenhorst fanden in allen vier Ortsteilen Gedenkfeiern statt: in Hollage am Ehrenmal am Friedhof, in Lechtingen am Ehrenmal, in Rulle im unteren Teil der alten Kirche und in Wallenhorst an der Anna-Kapelle.

Dabei hielt Bürgermeister Ulrich Belde die Ansprache in Rulle und Lechtingen. Stellvertretender Bürgermeister Alfred Lindner sprach in Hollage und stellvertretender Bürgermeister Alfons Schwegmann in Wallenhorst. Ratsmitglieder aus dem betreffenden Ortsteil legten jeweils einen Kranz nieder, die musikalische Begleitung übernahmen örtliche Musikvereine und Chöre.

Die Bürgermeister würdigten den Volkstrauertag als Tag, dessen Botschaft tatsächlich das ganze Volk angehe. Er habe zum einen eine persönliche, individuelle Dimension, indem er Millionen von Einzelerfahrungen, die Menschen mit Krieg und Gewaltherrschaft gemacht haben, bündele. Dazu gehöre die Trauer um getötete oder vermisste Angehörige ebenso wie die Sehnsucht nach der verlorenen Heimat, der Verlust der Gesundheit, von Hab und Gut, und die Erfahrung grenzenloser Unmenschlichkeit.

„All das schmerzt – ein Leben lang“, betonten die Redner. „Noch heute, 65 Jahre nach Kriegsende, wachen Menschen nachts schreiend auf, weil sie im Traum wieder die Bomber fliegen und ihre Heimat brennen sehen. Noch heute steigen Menschen Tränen in die Augen, wenn sie vom miterlebten Terror der Nazis berichten. Noch heute erforscht der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge das Schicksal vermisster Soldaten, das die Hinterbliebenen niemals losgelassen hat.“ Sie zitierten den Schriftsteller Martin Kessel: „Der Krieg hat einen langen Arm. Noch lange, nachdem er vorbei ist, holt er sich seine Opfer.“

Aus dieser persönlichen Dimension des Volkstrauertages erwachse dessen zweite Dimension: die öffentliche. Sie ziehe eine Konsequenz aus den unzähligen Einzelschicksalen: nie wieder Krieg.

Diese Forderung betreffe jeden. Schließlich hätten auch die beiden großen Weltkriege, unter denen Deutschland so gelitten und bei denen es sich gleichzeitig so schuldig gemacht habe, im alltäglichen Umfeld von Menschen ihre Wurzeln. „Die Wurzeln können da wachsen, wo das Buch eines Thilo Sarrazin, ohne, dass die Meisten es je gelesen haben, in die Bestsellerlisten gelobt wird. Die Wurzeln können auch da Fuß fassen, wo uns ein Kopftuch oder ein Turban daran hindern, den Menschen zu sehen, der sie trägt. Oder da, wo wir pauschal über ,die Anderen da' richten, die sich eh nicht integrieren wollen, ohne, dass wir uns fragen, ob wir ganz persönlich ihnen überhaupt Raum zur Integration geben“, führten die Redner aus.

Vergleichbares dürfe gerade den Deutschen nie wieder passieren. Dazu verpflichte der Volkstrauertag: „Unser Volks soll trauern – denn wer trauert, der erinnert sich. Und nur, wer sich erinnert, kann aus der Vergangenheit lernen.“


BU zu volkstrauertag.jpg, Ordner 20101114_volkstrauertag: Wie hier in Hollage, so gedachten in allen vier Wallenhorster Ortsteilen Menschen der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.