Volles Haus beim Bürgerforum in Hollage

Dialog zwischen Bürgern und Verwaltung geht in die zweite Runde

Mitteilung von

„Das ist ja wie in der Kirche“, stellte Angelika Twellmeyer mit Blick auf die Bestuhlung und das Podium fest als sie in den Zuschauerreihen Platz nahm. Wie in der Kirche füllte sich der Saal des Gasthauses „Zur Nassen Heide“ kurz vor Beginn des ersten Bürgerforums dieses Jahres, vorn blieben nur vereinzelte Plätze frei, hinten wurden auch die Stehplätze in Anspruch genommen. Ins Gebet nahm Bürgermeister Otto Steinkamp die gut 70 Gäste am Dienstag (12. April) jedoch nicht. Er freute sich mit der zweiten Auflage der Wallenhorster Bürgerforen den Faden wieder aufnehmen zu können und mit den Bürgern im Gespräch zu bleiben.

Im Themenblock der Verwaltung informierte Steinkamp über die aktuelle Flüchtlingssituation in Wallenhorst. 167 Asylbewerber und Flüchtlinge seien derzeit in der Gemeinde untergebracht, dezentral in Wohnungen sowie in der Hollager Mühle. 43 Personen sollen noch folgen. „Wir haben sehr früh darauf gesetzt, die Flüchtlinge in Wohnungen unterzubringen“, erläuterte Steinkamp. Das zahle sich jetzt aus. Er dankte den engagierten Bürgern und Verbänden für ihre „außerordentlich große Hilfs- und Spendenbereitschaft“.

Zum Stand der Planungen der neuen Trainingshalle am Sportzentrum in Hollage teilte Steinkamp mit: „Wir gehen davon aus, dass wir nach den Sommerferien mit dem Bau beginnen können.“ Ziel sei es, die Halle im Sommer 2017 in Betrieb nehmen zu können. Etwas länger könne es noch beim Radweg Hollage–Halen dauern. Hier sei man gemeinsam mit dem Landkreis Osnabrück wieder im Gespräch mit dem Land Niedersachsen. Unter Hinweis auf den zunehmenden Radverkehr, touristische Gesichtspunkte, die Bahnanbindung in Halen und mögliche Kostenreduzierungen wolle man versuchen in der Prioritätenliste des Ministeriums weiter vorzurücken.

Die Fragen der Bürger beschäftigten sich vorwiegend mit den Themen Baugebiete und Straßenverkehr. So wollte Felix Rothermundt wissen, ob im geplanten Baugebiet „Witthügel“ aufgrund der topographischen Lage wieder eine „Treppenlandschaft“ wie im Gebiet „Wellmanns Hügel“ entstehen könnte. Hier hatten nahezu sämtliche Anlieger ihre Grundstücke begradigt und das Gefälle mit hohen Stützmauern abgefangen. Bürgermeister Steinkamp erläuterte, dass es ein Zwiespalt für die Gemeinde sei, inwieweit man die Bauherren einschränke oder ihnen Gestaltungsfreiheiten lasse. Für den Bereich „Witthügel“ werde man Festsetzungen hinsichtlich der Höhenmodellierung der Grundstücke im Bebauungsplan treffen und die Freiheiten der Eigentümer diesbezüglich beschränken.

Sabine Landwehr erkundigte sich nach der Beleuchtung des Kreisverkehrs am Fürstenauer Weg / Maschweg. Diese werde von den direkten Anwohnern als zu hell und blendend empfunden. Steinkamp erklärte, dass die Leuchten zielgerichtet die Zebrastreifen ausleuchten würden. Eine seitens der Anlieger vorgeschlagene Verwendung von Milchglas oder der Einsatz schwächerer Lampen würden die Normen in Punkto Verkehrssicherheit nicht erfüllen.

Seitens der Verwaltung aufgegriffen wurde die im Vorfeld des Bürgerforums eingereichte Anfrage von Torsten Soldanski zur Parkplatzsituation an der Bergstraße, insbesondere im Bereich des Kindergartens. „Wir haben das Parkverhalten gezielt beobachtet“, sagte Steinkamp. „Wir beabsichtigen in den nächsten Wochen eine Parkscheibenpflicht einzuführen, sodass der Parkstreifen im Bereich des Kindergartens nicht von Dauerparkern belegt werde und den Eltern zur Verfügung stehe.“ Des Weiteren würden im Zuge des Sporthallenneubaus 19 zusätzliche Parkplätze im oberen Bereich der Bergstraße entstehen. Das von den Anwohnern immer wieder angesprochene Parkproblem bei Sport- und anderen Veranstaltungen werde man dadurch jedoch auch nicht lösen können. Rüdiger Mittmann, Fachbereichsleiter Bürgerservice und Soziales, ergänzte, dies sei auch ein Problem unserer Gesellschaft. Die Sportler würden zwei Stunden über den Sportplatz rennen, wollen aber direkt davor parken, um nicht einige Meter mehr zu Fuß gehen zu müssen. Das werde man mit Kontrollen jedoch auch nicht ändern können.

Gute und schlechte Nachrichten hatte Bürgermeister Otto Steinkamp für Reinhard Clausen. Zum geplanten Baulückenkataster konnte er berichten, dass dieses voraussichtlich im Sommer fertig gestellt und dann auf der Internetseite der Gemeinde veröffentlicht werden solle. Der angeregten Anschaffung von Defibrillatoren in den Sporthallen erteilte Steinkamp jedoch eine Absage. Diese gehörten nicht zur gesetzlich vorgeschriebenen Ausstattung und müssten – sofern sie gekauft würden – nicht nur in den Sporthallen, sondern einheitlich für mindestens 33 Gebäude angeschafft werden.

Klare Worte fand der Bürgermeister zur – auf einige Medienberichte rund um das Arkaden-Center bezogene – Anfrage Clausens, warum wichtige Angelegenheiten im Hinterzimmer verhandelt würden. Steinkamp erklärte: „Ja, wir führen Gespräche hinter verschlossenen Türen – und das ist auch gut so.“ Ratsentscheidungen müssten entsprechend vorbereitet werden, das habe nichts mit Kungelei zu tun. „All das, was da stattfindet, findet zum Wohle der Gemeinde statt.“ Dies sei nicht nur beim Thema „Grüne Wiese“ der Fall, sondern beispielsweise auch bei Grundstücksverhandlungen oder Wohnraumanmietungen für Flüchtlinge sehr wichtig. „Sie können sicher sein, dass ich zu allen wichtigen Themen zu gegebener Zeit umfassend öffentlich informieren werde“, so Steinkamp. „Ich lasse mir jedoch in keinster Weise nachsagen, dass ich hier kungele.“ Die klare Aussage kam an. Die Gäste spendeten spontan Applaus.

Auf Hartmuth Müllers Fragen rund um die Nachfrage nach Gewerbegrundstücken antwortete Steinkamp generell. Es sei wichtig, ein neues Gewerbegebiet auszuweisen, da die Gewerbesteuer zu den größten Einnahmen der Gemeinde zähle. „Wenn wir künftig ein gesundes Standbein haben wollen, ist es zwingend nötig, ein neues Gewerbegebiet auszuweisen“, so der Bürgermeister. So wie sich die Experten einig seien, dass Wallenhorst ein sehr attraktiver Wirtschaftsstandort sei, ist sich Steinkamp bezüglich des geplanten Gewerbegebietes am Schwarzen See sicher: „Ich glaube, das geht weg wie geschnitten Brot.“