Mutige Entscheidungen gefragt

Treffpunkt Wirtschaft im Wallenhorster Rathaus

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Chinas Wirtschaft und die Herausforderungen und Chancen der deutschen Unternehmen im internationalen Wettbewerb standen im Mittelpunkt des „Treffpunkts Wirtschaft“, zu dem die Gemeinde Wallenhorst und die Vereinigte Volksbank Bramgau Osnabrück Wittlage am Mittwoch (4. November) geladen hatten. Dazu begrüßte Bürgermeister Michael Lührmann gemeinsam mit Beate Jakobs, Vorstandsmitglied der Volksbank, rund 200 Gäste im voll besetzten Ratssaal.

Wirtschaftsredakteurin und Bestsellerautorin Ulrike Herrmann erläuterte als Referentin, dass China 1980 noch eines der ärmsten Länder der Welt gewesen sei, heute jedoch in vielen Bereichen ein Weltmarktführer, von dem die globale Wirtschaft abhängig sei. Bis 2010 sei Chinas Wirtschaft stetig gewachsen und bis dahin habe die Staatsführung alles richtig gemacht. Dann hätte sie jedoch den Zeitpunkt verpasst, vom Investitionskapitalismus zu einem Konsumkapitalismus zu wechseln. Jährliche Exportüberschüsse, Jugendarbeitslosigkeit, eine Bevölkerung, die nicht selbst konsumieren könne, Immobilienkrise – „da stehen so viele Wohnungen leer, dass ganz Deutschland nach China umziehen könnte“ – beschrieb Herrmann die Situation. Die chinesische Führung setze auf das völlig falsche Wirtschaftsmodell, das langfristig nicht funktionieren würde. „China steht kurz vor der Explosion“. Der Staatschef spreche, um davon abzulenken, immer öfter über Taiwan. Sollte er hier einen Krieg beginnen, würde das die Weltwirtschaft schwer erschüttern.

Was tun?

Die EU wolle die Anhängigkeit von China reduzieren, doch diese steige eher als dass sie sinken würde. „Wir müssen uns vor der Lawine chinesischer Exporte schützen“, so Herrmann, den Freihandel beenden und den europäischen Binnenmarkt abschotten. Und letztlich den Weg gehen, den China gegangen sei. Das bedeute: Chinesische Produkte ja, aber über Joint-Venture-Modelle mit klaren Vorgaben in der EU produziert.

Den Bogen zur lokalen Wirtschaft spannten Lührmann und Jakobs gemeinsam mit Andreas Sandmann von der Wallenhorster Purplan GmbH im anschließenden Gespräch mit der Referentin. Es seien interessante Blickwinkel dabei gewesen, die sie bislang so noch nicht gesehen habe, erklärte Jakobs in Bezug auf den Vortrag. „Wir brauchen eine klare europäische Antwort.“ Ein weiter wie bisher werde vermutlich nicht funktionieren. Gegen die chinesischen Subventionen könnten deutsche Unternehmen nicht bestehen.

Aus der Praxis

Vor 15 Jahren habe Purplan eine kleine Niederlassung in Shanghai gegründet, berichtete Sandmann aus der Praxis. „Die ersten Jahre haben echt Spaß gemacht. Man wurde als deutsche Firma ernst genommen. Dieses Bild hat sich jetzt dramatisch geändert.“ Damals hätte man Technik geliefert, heute habe sich das um 180 Grad gedreht. „Die Chinesen fahren heute durch Europa und verkaufen die Technik, die sie von uns gelernt haben. Die Welt ist da extrem unfreundlich geworden. China ist durch unsere Unterstützung eine starke Produktionsnation geworden.“

Und nun?

„Wir schauen oft gar nicht, was wir selbst tun können. Wir müssen auch vor unserer eigenen Haustür kehren“, sagte Jakobs und nannte das Stichwort Bürokratieabbau. Herrmann stimmte grundsätzlich zu, aber „was mir in dieser Diskussion fehlt, sind konkrete Vorschläge der Experten aus der hiesigen Wirtschaft. Was ganz konkret soll denn abgebaut werden?“ So konkret wie wir handeln müssten, würden die wenigsten denken, erklärte Lührmann. „Hier ist keiner bereit, etwas Wohlstand abzugeben, aber das kann uns durchaus blühen.“ In Wallenhorst würden unter anderem Innovationen gefördert wie das „FieldLab“. Da würden Wissenschaft und KI im Agrarsektor praktisch zusammengebracht. „Mutig sein müssen wir auch politisch und Entscheidungen treffen, die die Wirtschaft voranbringen. Das bedeutet auch Kompromisse einzugehen.“ Als Beispiel führte er die Steuerentscheidungen zu Importen von chinesischen Firmen wie Temu und Shein an: „Das hat viel zu lange gedauert. Das hätten wir schneller und pragmatisch entscheiden müssen.“

Die Veranstaltung kam bei den Gästen, die sich mit einigen Fragen in die Diskussion einbrachten, gut an. Ein Unternehmer lobte die Referentin abschließend: „Ich fand es einen interessanten Impuls. Bringen Sie diese Botschaft bitte weiter in die Welt.“

Spenden für die Ökumenische Hospizgruppe

Der Treffpunkt Wirtschaft dient traditionell nicht nur dem fachlichen Austausch und dem Netzwerken, sondern auch dem guten Zweck. Die Gäste spenden anstatt Eintritt zu zahlen. In diesem Jahr für die Ökumenische Hospizgruppe Wallenhorst, die schwerkranke und sterbende Menschen sowie deren Angehörige begleite und sich jüngst neu aufgestellt habe – ehrenamtlich getragen, professionell strukturiert – wie Geschäftsführerin Sabine Heiber erläuterte.