Mit portugiesischen Wurzeln in Wallenhorst zu Hause

Angela Loureiro de Oliveira hat ihre Integration mit viel Eigeninitiative gestaltet

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In Wallenhorst leben (Stand Januar 2010) 668 Ausländer aus 76 Staaten, die Ausländerquote beträgt 2,78 Prozent. Hinzu kommen viele Menschen, die zugewandert sind und die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen. Ihr Zusammenleben mit den Einheimischen thematisiert der zehnte „Tag des Anstoßes“ 2010 unter dem Motto „Wir sind Wallenhorst – einheimisch und zugewandert“.

Die Berichterstattung zum Jahresthema soll einen Eindruck vom Miteinander von Alteingesessenen und Neubürgern vermitteln. Als Höhepunkt wird bei der Abendveranstaltung im November eine Person, die sich ehrenamtlich besonders für Integration und Miteinander einsetzt, mit dem „Stein des Anstoßes“ 2010 geehrt werden.

Der heutige Artikel beschreibt das Beispiel einer Familie portugiesischer Herkunft, die längst in Deutschland im Allgemeinen und in der Gemeinde Wallenhorst im Besonderen angekommen ist. Wer einen Themenvorschlag für die weitere Berichterstattung hat, kann sich unter Tel. (05407) 888-103 oder unter der Mailadresse anke.rehling@remove-this.wallenhorst.de an Anke Rehling von der Gemeinde Wallenhorst wenden. Ansprechpartner für alle, die einen Preisträger vorschlagen wollen, ist Rüdiger Mittmann unter Tel. (05407) 888-510 oder unter ruediger.mittmann@remove-this.wallenhorst.de .

„Wichtig ist die Sprache und dass man auf Andere zugeht“: So lautet das Rezept von Angela Loureiro de Oliveira für gelungene Integration. Sie muss es wissen: Die gebürtige Portugiesin lebt seit fast 15 Jahren in Deutschland und seit fast sieben Jahren in Wallenhorst. Sie und ihre Familie wohnen nicht nur im Ortsteil Lechtingen, sondern sind hier im besten Wortsinn zu Hause – die Einbindung der Kinder in Schule und Kindergarten sowie das Engagement der Mutter für den Franziskuskindergarten Lechtingen belegen das.

Mit einem Urlaub in Deutschland fing alles an. Angela und ihr Mann Marco Paulo Martins Correia waren damals gerade ein Jahr verheiratet. Die Eltern des Ehemannes lebten schon damals in Deutschland; der Schwiegervater besorgte seinem Sohn und wenig später auch seiner Schwiegertochter eine Arbeitsstelle.

Anfangs habe sie nach Portugal zurück gewollt, erinnert sich die 35-Jährige. Da habe sie auch die deutsche Sprache noch nicht beherrscht, denn an ihrem damaligen Arbeitsplatz als Reinigungskraft sei sie darauf kaum angewiesen gewesen.

Doch Angela Loureiro de Oliveira war ehrgeizig. Mittels Zeitungen, Büchern und Fernsehen eignete sie sich die fremde Sprache eigenständig an. Dabei kam ihr ihre Begabung für Fremdsprachen zugute, unter anderem sprach sie, die bis zu ihrem elften Lebensjahr in Frankreich gelebt hatte, bereits französisch.

Weitere Unterstützung kam von den Freunden und Bekannten, die das Ehepaar nach und nach kennen lernte: „Sie haben meine Fehler korrigiert. Das war mir am Anfang peinlich, hat mir dann aber sehr geholfen. Es hat mir auch Mut gemacht, dass so viele Menschen halfen.“ Ergänzend, so Angela Loureiro de Oliveira, habe sie sozusagen automatisch mit ihren drei Kindern mitgelernt.

Überhaupt haben die Kinder für die Integration der Mutter eine wichtige Rolle gespielt. Schließlich kam sie über sie mit anderen Eltern in Kontakt. Unter anderem entwickelte sich ein guter Kontakt zu Monika Thünker, der Leiterin des Franziskuskindergartens in Lechtingen.

Dass der Kindergarten sozusagen als Katalysator für Integration dient, ist für dessen Leiterin nichts Neues. „Wir sind ja für junge Familien oft die erste Anlaufstelle“, erklärt sie. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrung hat sie Angela Loureiro de Oliveira als besonders engagiert und integriert erlebt: „Viele Eltern haben mehr Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache oder scheuen sich, sie anzuwenden“, sagt sie.

Zugleich weiß sie um den Balanceakt zwischen der eigenen Herkunft und der neuen Heimat: „Es ist ja schon wichtig, auch die eigene Kultur weiter zu pflegen. Außerdem lassen sich vor allem Emotionen am besten in der Muttersprache ausdrücken.“

Angela Loureiro de Oliveira erlebt diesen Balanceakt am eigenen Leib. Trotz ihres Bemühens, immer besser deutsch zu sprechen und zu schreiben, steht für sie fest: „An meiner Muttersprache muss ich auch festhalten.“

Von den Sprachen abgesehen, empfindet sie den Alltag in Deutschland und in Portugal im Vergleich als gar nicht mal so unterschiedlich. Die Mentalitäten der beiden Nationalitäten seien jedoch durchaus verschieden: „Die Portugiesen sind termperamentvoller, die Deutschen kontrollierter. Natürlich gibt es aber in beiden Ländern solche und solche.“

Ihre eigene Nationalität hat Angela Loureiro de Oliveira nicht gewechselt, nach wie vor ist sie Portugiesin, ebenso ihr Mann und die drei Kinder. Diese sollen künftig frei entscheiden sollen, ob sie auch die deutsche Staatsangehörigkeit erwerben wollen; schließlich sind sie in Deutschland aufgewachsen.

Die Kinder waren denn auch der Hauptgrund dafür, dass die Familie in Deutschland blieb. „Hier haben die Kinder eine bessere Zukunft“, ist die Mutter überzeugt. Die Kinder sind denn auch in Deutschland fest verwurzelt. Während die beiden älteren schon einige Male in Portugal waren, besuchte die sechsjährige Lara das Herkunftsland ihrer Eltern erst zweimal.

So sieht Angela Loureiro de Oliveira die Zukunft der Familie in Deutschland und in Wallenhorst, wo sie sich „sehr wohl“ fühlt. Und doch ist ihr bei aller Integration und Verbundenheit mit der neuen Heimat eines wichtig: „Portugal wird immer mein Land bleiben.“