Kinder: das Beste, was Wallenhorst hat

Beim elften "Tag des Anstoßes" wurde Burkhard Hörnschemeyer geehrt

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Im Mittelpunkt des Abends stand mit Burkhard Hörnschemeyer ein Preisträger, der im Hintergrund ehrenamtlich viel leistet und, als er auf einmal in den Vordergrund rückte, umso bescheidener auftrat. Um ihn und seine Ehrung herum gruppierten sich interessante Gäste und ein abwechslungsreiches Programm mit vielen Höhepunkten. Kurzum: Der „Tag des Anstoßes“ 2011, zu dem die Gemeinde Wallenhorst unter dem diesjährigen Motto „Wo Kinder, da Zukunft“ am Freitag (18. November) eingeladen hatte, war einmal mehr eine rundum gelungene Veranstaltung zur Würdigung des Ehrenamtes.

Knapp 800 Personen waren in der Haselandhalle Hollage dabei. Sie erlebten mit Aygül Özkan, der niedersächsischen Ministerin für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration, und mit Sabine Hafer, der ehrenamtlichen Leiterin der UNICEF-Arbeitsgruppe Osnabrück, spannende Gesprächspartnerinnen zum Jahresthema sowie mit Christian Böwer einen bestens aufgelegten Moderator. Sie freuten sich mit Burkhard Hörnschemeyer über die Anerkennung seiner jahrzehntelangen uneigennützigen Arbeit. Und vor allem: Sie erlebten einen Abend, an dem die Kleinen, die Kinder, in jeder Hinsicht ganz groß rauskamen.



Die Kleinen ganz groß: für den Preisträger


Gleich beide Kirchengemeinden seines Heimatortes Hollage hatten die Ehrung von Burkhard Hörnschemeyer mit dem „Stein des Anstoßes“ 2011 im Vorfeld unterstützt. Wofür er diese Ehreung erhielt, das verdeutlichte Gabi Münch, Mitglied der Jury „Tag des Anstoßes“ in ihrer Laudatio. Dabei machte sie es spannend und verriet den Namen des Preisträgers erst im allerletzten Satz.

Mit den Ämtern habe er es nicht so, so Münch, er engagiere sich „unabhängig von Positionen, die vielleicht mit Einfluss oder Ansehen verbunden wären“ und handele aus seinem christlichen Grundverständnis heraus. In der Kleiderkammer, auf Flohmärkten, wo er Gespendetes für den guten Zweck verkaufe, früher im Pfarrgemeinderat und beim Empfang von Kindern aus der Tschernobyl-Region, die er aus eigener Tasche mit Bedarfsartikeln wie Shampoo und Seife ausstatte, könne man seinen Einsatz erleben. „Uns in der Jury fiel kaum jemand ein, der so viel für Kinder tut und zugleich so im Hintergrund bleibt, der es so sehr verdient, einmal im Vordergrund zu stehen“, betonte die Laudatorin.

Auf der Bühne erläuterte Burkhard Hörnschemeyer, den die Ehrung sichtlich rührte, seine über 25-jährige Arbeit weiter. Angefangen habe alles mit der jährlichen Sternsingeraktion. Das Organisationsteam habe Sachspenden für das Durchgangslager in Bramsche-Hesepe gesammelt. In Spitzenzeiten sei täglich ein vollbeladener Bulli mit dem Sammelgut nach Hesepe gefahren. Zuvor hatte Hörnschemeyer selbst die gespendeten Kleider, Schuhe, Haushaltsartikel und Spielsachen überprüft und notfalls ausgebessert.

Diesen Einsatz habe er ab 1995 auf den Tschernobyl-Kreis, der unter anderem Kindern aus der betroffenen Region Erholungsaufenthalte vermittelt und sie in ihrer Heimat unterstützt, ausgeweitet. Bei ihrer Ankunft erhielten sie aus den Erlösen der von ihm auf Flohmärkten verkauften Spendengüter Kleidung und Gebrauchsgegenstände. Gar manches Mal griff Hörnschemeyer zusätzlich noch in die eigene Tasche, um die Kinder mit dem Nötigsten zu versorgen.

Insgesamt sechsmal sei er selbst nach Gomel in Weißrussland gereist, schilderte der 54-Jährige. „Wenn man die Dankbarkeit der Kinder erlebt, dann muss man einfach weiter helfen“, erklärte er seine Motivation.

Diese hält auch noch an: „So lange die Leute weiter Spendengüter hinten in der Kirche ablegen, so lange mache ich weiter“, kündigte der Hollager an. Ausdrücklich betrachtete er den „Stein des Anstoßes“ nicht nur für als Würdigung seiner Person: „Ich nehme den Preis stellvertretend für alle Ehrenamtlichen an und sage einfach danke.“



Die Kleinen ganz groß: im Gespräch


Um Kinder ging und geht es nicht nur beim ehrenamtlichen Engagement von Preisträger Burkhard Hörnschemeyer, sondern Kinder standen auch insgesamt im Mittelpunkt der Abendveranstaltung. Dies merkte man auch in den Gesprächen, die Moderator Christian Böwer mit seinen Gästen führte.

Ehrengast war die niedersächsische Ministerin für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration, Aygül Özkan. Im Dialog mit Böwer stellte die CDU-Politikerin die Leistungen des Landes Niedersachsen für Kinder und Eltern heraus, nannte unter anderem Familienservicebüros, Familienerholungsurlaube, Familienbildungsstätten und die Stiftung „Familie in Not“. „Der Staat muss die Rahmenbedingungen dafür setzen, dass die Chancen der Kinder nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen“, sagte Özkan.

Den Kommunen riet sie, mehr Beteiligung von Kindern bei Entscheidungen, die Kinder direkt angehen, zuzulassen. Auch Unternehmen seien angesichts des Fachkräftemangels gut beraten, die Vereinbarkeit von Kindern und Beruf zu fördern, zum Beispiel durch flexible Arbeitszeiten, die Berücksichtigung von Betreuungszeiten, Eltern-Kind-Zimmer oder eigene Betreuungsangebote. Dabei müsse nicht jede Firma das Rad neu erfinden, man könne sich auch mit anderen Unternehmen oder der Kommune zusammenschließen. „Pauschale Lösungen gibt es nicht“, betonte Aygül Özkan.

Zugleich lobte sie Idee und Atmosphäre des „Tag des Anstoßes“. Damit biete man dem Ehrenamt eine verdiente Anerkennung. Auch das Jahresthema fand die Ministerin passend: „Damit haben Sie's einfach getroffen.“

Das traditionelle Grußwort sprach Sabine Hafer, ehrenamtliche Leiterin des UNICEF-Büros in Osnabrück. Sie schilderte die Arbeit und die Ziele des Kinderhilfswerkes der Vereinten Nationen. Früher eine Nothilfeorganisation, sei dieses zunehmend zur Entwicklungsorganisation geworden. Zwar seien die Rechte von Kindern per UN-Konvention verbrieft, aber noch längst nicht überall durchgesetzt. In Deutschland drohten vielen Kindern Vernachlässigung und sexuelle Gewalt, auch die Chancengleichheit sei noch nicht Realität.

„Wir müssen Kindern zuhören und auf sie hören, damit wir erfahren, in was für einer Welt sie leben wollen“, forderte Hafer. Damit schloss sie sich der Forderung von Ministerin Özkan nach mehr Beteiligung von Kindern an. Ein afrikanisches Sprichwort sage, Gras wachse nicht schneller, wenn man daran ziehe. Das gelte auch für Kinder: „Wir sollten nicht an ihnen ziehen, sondern ihre Entfaltung fördern“, sagte Sabine Hafer.

In der anschließenden Gesprächsrunde fühlte Christian Böwer – zeitweise unterstützt von seinem fünfjährigen Sohn Theo als Assistent – seinen Gästen zum Jahresthema noch detaillierter auf den Zahn. So erfuhr das Publikum unter anderem, dass Aygül Özkan selbst vielleicht kein vorbildliches, aber ein „aufgewecktes“ Kind war. „Unseren Eltern waren geregelte Abläufe wichtig, und sie haben es hinbekommen, dass wir selbstständig werden konnten“, plauderte die Ministerin aus dem Nähkästchen.

Wallenhorsts Bürgermeister Ulrich Belde, der eingangs die Gäste begrüßt und das Jahresthema erläutert hatte, bezog Position zu den Investitionen der Gemeinde Wallenhorst für Kinder. Hauptsächlich seien nach wie vor die Eltern für Kinder zuständig, aber wie Ministerin Özkan sei auch er der Meinung, dass die öffentliche Hand für weitgehende Chancengleichheit sorgen müsse. „Und da müssen wir die Kinder eben fit machen für die Welt von morgen, nicht für die von gestern“, sagte er mit Blick auf den von Böwer zitierten Vorwurf, für Kinder werde heute oft des Guten zu viel getan.

Dass es Kinderarmut durchaus auch im Osnabrück Land gibt, erläuterte Sabine Hafer. Vor allem allein Erziehende seien von der Armutsfalle bedroht. Sie selbst motiviere sich für ihre Arbeit durch die positiven Rückmeldungen, die man als Ehrenamtliche empfange, und durch konkrete Erfolgserfahrungen beispielsweise bei der Projektarbeit in Sambia.

Dass die Gesprächsrunde auf einem Sofa Platz nahm, erinnerte die Ministerin übrigens an ein prominentes Vorbild: „Hier ist es ja wie bei ,Wetten, dass?'“, stellte sie fest. Schlagfertig konterte Böwer sofort: „Ja, die haben mich neulich auch angerufen, ob ich nicht Gottschalks Nachfolger werden will. Aber ich habe abgelehnt, weil ich dann den ,Tag des Anstoßes' nicht mehr machen könnte, und hab sie an Hape Kerkeling verwiesen.“



Die Kleinen ganz groß: im Rahmenprogramm


Auch im Rahmenprogramm des Abends war zweimal Kinderzeit. Die Zirkusmusiktheater-AG der Erich-Kästner-Schule unter der Leitung von Andrea Mehliß führte – passend zum Jahresthema – zwei Stücke aus dem Musical „Wir sind Kinder, wir sind Zukunft“ auf, das im Januar Premiere hat. Dabei zeigten sich die Kinder ebenso gesangsstark wie akrobatisch. Dem Publikum legten sie die Zeilen „Deutschland, wir sind deine Kinder, aber wir gehören dir nicht. Deutschland, wir sind deine Kinder, wir sind das Beste, was du hast“ ans Herz und übertrugen diese später auch auf Wallenhorst.

Ihr Motto „Wi kürt Platt“ setzte die Plattdeutsch-AG der Johannisschule in die Tat um. Unter Leitung von Inge Spreen und Helmut Kühl, unterstützt vom von Sabrina Stutzki geleiteten Schulchor und in einem von der Kunst-AG liebevoll gestalteten Bühnenbild erzählten die Kinder in der Heimatsprache unter anderem die Geschichte vom dicken fetten Pannkouken. Dieser flieht vor allen, die ihn vernaschen wollen, „haster klabaster“ um den Hollager Berg und opfert sich erst für hungrige Kinder.

Natürlich traten auch erwachsene Künstler im Rahmenprogramm auf. Das Flötenquartett aus Nicole Goedereis-Buller (Querflöte), Gesa Ruprecht (Violine), Evelyn Baller (Viola) und Gerda Engelbrecht (Cello) intonierte die Vogelfänger-Arie aus Mozarts „Zauberflöte“ und einen Tango.

Großartige A-cappella bot die Vocal Group des Instituts für Musik der Hochschule Osnabrück. Das Sextett feierte beim „Tag des Anstoßes“ seinen ersten öffentlichen Auftritt in dieser Formation – und das mit Erfolg.



Die Gemeinde ganz groß: im nächsten Jahr


Bevor die Veranstaltung mit einem gemeinsamen Imbiss – dem Dankeschön der Gemeinde Wallenhorst an ihre Ehrenamtlichen – und gemütlichem Zusammensein ausklang, lüftete Christian Böwer noch das Geheimnis um das Jahresthema 2012. Unter dem Motto „Vielfalt in Einheit: 40 Jahre Gemeinde Wallenhorst“ soll es im dann um ortsteilübergreifende ehrenamtliche Arbeit vier Jahrzehnte nach Bildung der Gemeinde gehen.