In Gymnastikhose und mit Gänseblümchen

Kabarett "Können Männer denken?" mit Uta Rotermund im Rathaus

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Was ist tapfer? Tapfer sind wohl jene deutlich in der Unterzahl befindlichen Männer, die am Freitag (27. Mai) das Kabarett „Können Männer denken?“ mit Uta Rotermund im Wallenhorster Ratssaal besuchten. Ihr Mut wurde belohnt, denn ebenso wie die Überzahl an Frauen erlebten sie einen frechen, vergnüglichen Abend.
Den Aufschlag macht Rotermund als Dr. Irmgard Töbel-Schleierkraut, Sozialwissenschaftlerin, die über die Frage „Können Männer denken – und wenn ja, wozu?“ promoviert hat. Die schwarz-perückte Frau Doktor geht keinesfalls zimperlich mit dem starken Geschlecht um.

„Es ist eigentlich egal, ob der Ernst des Lebens Ernst oder Karl-Heinz heißt, wenn man ruft, kommen sie sowieso nicht“, stellt sie fest, und: „Selbst wenn ein Mann denken kann, merkt frau es ihm nicht an.“ In diesem Sinne sei es unvorstellbar, dass beispielsweise Angela Merkel nackt einen Hotelpagen anspringe und ihr erst danach wieder einfalle, dass sie Bundeskanzlerin sei, so die Schauspielerin und Autorin mit Blick auf die Vergewaltigungsvorwürfe gegen den ehemaligen IWF-Chef Dominic Strauss-Kahn.

Mit Sprüchen dieser Art hat Uta Rotermund ihr Publikum von Anfang an im Griff und die Lacher beider Geschlechter auf ihrer Seite. Auch die Herren amüsieren sich köstlich, wenn sie in „Lederharniss“ und pinkfarbener Gymnastikhose Strategien der sexuellen Animation vorführt und zwecks Attraktivitätssteigerung die Damen anregt, sich Gänseblümchen ins Schamhaar zu flechten.

Dabei bleibt die Kabarettistin stets spontan. Den Vorschlag einer Zuschauerin, die Gänseblümchen-Methode auch im Winter mit Eisblumen anzuwenden, kontert die Kabarettistin mit „Da sitzt wohl die Hardcore-Abteilung, ich würde gern mal den Mann dazu sehen!“

Zwischendurch wechselt Uta Rotermund gekonnt die Rollen. Von der Männerkundlerin Töbel-Schleierkraut verwandelt sie sich mit wenigen Handgriffen in sich selbst und dann wiederum in eine lispelnde Batiktuchträgerin, die allen Paaren das „Waschen als Weg“ empfiehlt. Als strenge „Mutti“ erzählt sie die eigenwillige Geschichte der Befreiung vom dominanten Ehegatten. Zwischendurch weicht sie vom Geschlechter-Thema ab, streift die hohe Politik ebenso wie längst vergangene Trends mit Makramee oder Setzkästen.

Rotermunds ultimativer Tipp an die Frauen ist, den männlichen Gefährten wie einen Hund zu sehen und klare Signale zu geben: „Männeken, ich bin das Alphatier, und du rudelst hinter mir her.“ Man könne ihn an der langen Leine halten, ab und zu Leckerchen geben und gegebenenfalls mit Körbchenverbot sanktionieren. Mit dieser Einstellung lasse sich auch mit jenen Männern fertigwerden die im fortgeschrittenen Alter auf einmal einer Zwanzigerin hinterherrudelten: „Es sind schließlich nicht die Frauen, die altern, sondern der Blick der Männer, der nicht reift.“

Die Frage, ob und wozu Männer denken können, war zwar am Ende des Abends nach wie vor nicht endgültig geklärt. Aber einen unterhaltsamen Abend hatte das Wallenhorster Publikum in jedem Fall erlebt und außerdem noch etwas für den guten Zweck getan. Denn Uta Rotermund verkaufte anschließend Fanartikel, deren Erlös sie Medica Mondiale, einer Hilfsorganisation für traumatisierte Frauen und Mädchen, zur Verfügung stellt.