In den Wäldern und Steinbrüchen von Rulle-Ost

Naturkundlicher Schnatgang zwischen Geologie und Botanik

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Am Freitagnachmittag (18. Mai) steht ein Pulk von mehr als 40 Wanderern vor Thörners Kreuz auf dem Ruller Esch. Die Erwachsenen und zwei Kinder wollen den äußersten Südosten der Gemeinde Wallenhorst rund um den Ruller Loh erkunden. Schnatgang – also Grenzgang – heißt die Wanderung, zu der Wallenhorsts Umweltbeauftragter Udo Stangier eingeladen hat. Mit dabei sind als fachkundige Experten Prof. Dr. Konrad Arndt für die Vegetation und Dr. Horst Klassen für die Geologie.

Waldmeister als Zeigerpflanze

Dr. Klassen erläutert schon am nahen Brunnen der Wallenhorster Wasserversorgung am Eschweg die Aufwölbung von Wiehengebirge, Osnabrücker Hügelland und Piesberg und den Zusammenhang zwischen dem Grundwasserspiegel hier und der Wittekindsquelle, die im weiteren Verlauf der Wanderung noch besucht werden soll. Ein paar Meter weiter weist Professor Arndt auf den blühenden Waldmeister als Zeigerpflanze für Kalkboden hin.

Baumaterial unserer Vorfahren

Im nächsten Waldstück sind die seit vielen Jahrzehnten nicht mehr genutzten kleinen Steinbrüche, die inzwischen fast zugewachsen sind, noch zu erkennen. Hieraus wurden früher Steine für die Hof- und Stallgebäude oder für Düngekalk gebrochen. Westlich der Stiegte geht es dann in einen größeren Steinbruch, der als Naturdenkmal geschützt ist. Deutlich sind die Schichten des oberen Muschelkalks zu sehen. Dr. Klassen erklärt, dass diese Kalkschichten vor circa 240 Millionen Jahren der schlammige Boden eines tropischen Flachmeeres waren. Verfestigt und durch Kräfte aus dem Erdinneren angehoben sind diese nun kaum noch als ehemaliger Meeresboden zu erkennen. Gut sind die geraden Schichtgrenzen zu erkennen, die für unsere Vorfahren dieses Gestein als Baumaterial so geeignet machte.

Seltene Bergulme

Am folgenden Waldrand erklärt Udo Stangier die Vielzahl der blühenden Sträucher wie Schneeball, Ackerrose oder blutroter Hartriegel. Ebenfalls zeigt er die seltene Bergulme, deren Blätter auf den ersten Blick mit der Hainbuche verwechselt werden können. Aber die asymmetrische Form und die seltenen mehrzipfeligen Blätter weisen auf die Bergulme hin. Die Unterschiede der Blätter von Stiel- und Traubeneiche erklärt Professor Arndt.

Anne Wiewellen

Über die Hofstelle Kleine mit ihren gut erhaltenen Haupt- und Wirtschaftsgebäuden geht es zum Naturdenkmal Wittekindsquelle. Die Straße heißt Anne Wiewellen. Stangier klärt auf: Es geht hier nicht um einen Frauennamen. Anne Wiewellen ist plattdeutsch und bedeutet „An der Wittekindsquelle“. Die Wassermühle mit dem verfallenen Wasserrad am Niederrielager Bach unterhalb des benachbarten Teiches ist ebenfalls aus Kalkstein gebaut. Im Hintergrund ist jedoch ein Schornstein aus Backsteinen zu sehen. Er gehört zu einem inzwischen schon lange nicht mehr vorhandenen Sägewerk, das damals mit einer Dampfmaschine angetrieben wurde, weiß ein Mitwanderer zu berichten.

Nach einem kleinen Anstieg durch einen Hohlweg und fast drei Stunden Wanderung ist der Ausgangspunkt wieder erreicht. Im Schatten der Linden an Thörners Kreuz bedanken sich die Schnatgänger bei Professor Arndt und Dr. Klassen für ihre unterhaltsamen Erläuterungen zu Natur und Erdgeschichte mit anhaltendem Applaus.