"Im Interesse des großen Ganzen"

Als Gemeindedirektor gestaltete Hugo Pott die Entwicklung der Gemeinde Wallenhorst mit

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Jüngere Menschen kennen es nicht anders, die etwas älteren hingegen erinnern sich noch daran, wie die Gemeinde Wallenhorst 1972 aus den bis dahin selbstständigen Gemeinden Hollage, Lechtingen, Rulle und Wallenhorst gebildet wurde. Grund genug, die vor 40 Jahren vollzogene Fusion zum Jahresthema für den „Tag des Anstoßes“ 2012 zu machen. In der Berichterstattung dazu sollen Menschen und Aktivitäten dargestellt werden, die das Zusammenwachsen der Gemeinde gefördert haben. Höhepunkt wird dann die Abendveranstaltung im November sein, bei der ein/e Preisträger/in, der/die sich um das Jahresthema ehrenamtlich besonders verdient gemacht hat, mit dem „Stein des Anstoßes“ ausgezeichnet werden wird.

Wer einen Themenvorschlag für die Berichterstattung hat, kann sich unter Tel. (05407) 888-103 oder per Mail an Anke Rehling von der Gemeinde Wallenhorst wenden. Ansprechpartner für alle, die einen Preisträger vorschlagen wollen, ist Klaus Schwegmann unter Tel. (05407) 888-302 oder per E-Mail.



Ihr erster Haushalt hatte ein Volumen von rund 12.491.000 Euro, ihr erster Verwaltungssitz war Hollage, ihr erster Rat wurde am 22. Oktober 1972 gewählt: Die geschichtlichen Fakten rund um die Gründung der Gemeinde Wallenhorst sind bekannt und unter anderem in der Chronik zum 1150-jährigen Jubiläum Wallenhorsts nachzuvollziehen. Wie aber erlebte ein Zeitzeuge, der die Abläufe wesentlich mitgestaltete, diese Zeit und die folgende Entwicklung der Gemeinde?

Hugo Pott war nach der Interimszeit der erste Gemeindedirektor der Gemeinde Wallenhorst, die aus den zuvor selbstständigen Gemeinden Hollage, Lechtingen, Rulle und Wallenhorst gebildet worden war. Grundlage war das Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden im Raum Osnabrück vom 10. Mai 1972, auch Osnabrück-Gesetz genannt.

Von dem waren allerdings nicht alle begeistert. So hätte sich beispielsweise Hollage gern mit Pye, Lechtingen (ohne Gruthügel) und Wallenhorst oder Rulle mit Icker sowie Teilen des Gruthügels und der damaligen Gemeinde Vehrte zu einer neuen Gemeinde formiert.

„Wir haben uns bemüht, trotzdem eine Einheit hin zu kriegen“, erinnert sich Hugo Pott vor diesem Hintergrund an die ersten politischen Sitzungen der neuen Gemeinde. Deren Ausschüsse tagten öffentlich: „Da wurden dann viele Fensterreden gehalten und Parteipolitik betrieben.“ Aus Hollage – wo Pott zuvor Gemeindedirektor gewesen war – habe er das nicht so gekannt.

Aber er wusste auch: „In einer Großgemeinde muss man anders denken. Mein Anliegen war deshalb, dass wir uns am Gemeinwohl orientieren.“ In diesem Sinne habe man sich auch entschlossen, das künftige Rathaus in Wallenhorst zu bauen, damit es von allen Ortsteilen gut erreichbar sei, getreu dem Motto „Alles, was wir nur einmal kriegen, muss ins Zentrum, und die Nahversorgung muss in den Ortsteilen gesichert sein, ohne Kaufkraft aus dem Zentrum abzuziehen.“

Die Entwicklung des Zentrums und die Angleichung der Infrastruktur in den Ortsteilen seien die wichtigen Themen der ersten Jahren gewesen. „Die großen Entscheidungen sind dabei eigentlich immer im Interesse des großen Ganzen gelaufen“, betont Hugo Pott rückblickend. Später sei es dann auch um die Erschließung von Baugebieten und Gewerbegebieten gegangen sowie um die Ansiedlung von Firmen. „Zu den Firmeninhabern bin ich oft selbst hingefahren, persönliche Kontakte sind wichtig“, erinnert sich der frühere Gemeindedirektor.

Wenn er heute auf die Gemeinde Wallenhorst schaut, ist er überzeugt: „Mehr Zusammenwachsen brauchen wir nicht.“ Kultur und Leben in den Ortsteilen müssten bei aller Einheit immer erhalten bleiben. Darum habe er auch nie Bestrebungen unterstützt, beispielsweise Vereine zusammenzulegen.

Für sich hat Pott die Erfahrung gemacht: „Die, die von Ortsteildenken reden, sind oft die, die es praktizieren.“ Dass Ratsmitglieder neben dem Gemeinwohl auch mal etwas speziell für ihren Ortsteil fordern, findet er in Ordnung: „Dort haben sie ihre Wähler, und das funktioniert ja mit Bundestags- und Landtagsabgeordneten und ihren Wahlkreisen genauso.“

Entsprechend bedauert er eine politische Entscheidung der jüngeren Vergangenheit besonders: „Die Bürgerbüros in Hollage und Rulle hätte man nicht schließen dürfen. Die waren bürgernah und haben dem Zentrum nichts weggenommen.“ Trotz solcher Überlegungen will Hugo Pott sich in die aktuelle Politik nicht einmischen: „Wer kein Amt mehr hat, sollte sich so weit zurücknehmen, dass seine bloße Anwesenheit keinen stört.“