Gleichstellung als Regionalentwicklung

Studie zur Situation der kommunalen Gleichstellungsarbeit in ländlichen Räumen Deutschlands veröffentlicht

Mitteilung von

Am Montag (21. Oktober) trafen sich in Merzen Frauen aus dem Nordkreis im Rahmen des Frauenforums zum zweiten Mal. Die Gleichstellungsbeauftragten des Nordkreises hatten im Juli dieses Jahres die erste Zusammenkunft initiiert. Das Forum knüpft an vorherige Treffen der aktiven Kommunalpolitikerinnen des Nordkreises an. „Wir möchten und müssen bewusst mehr Öffentlichkeit erzeugen - das heißt auch, weitere Aktive und interessierte Frauen und Gruppen zu erreichen“, waren sich die Teilnehmerinnen und die Gleichstellungsbeauftragten im Nordkreis einig.

Ein Rundgang durch den Veranstaltungsort, das St. Franziskus Gemeinschaftshauses in Merzen, bot den Einstieg in das weite Feld der Daseinsvorsorge im ländlichen Raum. Die Teilnehmerinnen diskutierten anschließend zu den Themen Wohnen, Mobilität, Digitalisierung, Kinderbetreuung und zu ihren Erfahrungen im politischen Umfeld. Es wurde deutlich, dass die Themen in der gesellschaftlichen Wahrnehmung nicht ausschließlich aus der Sicht der Frauen zu betrachten oder zu lösen sind. Die Entwicklungen zeigen ebenso auf, dass zum Beispiel für das Thema der Vereinbarkeit von Beruf und Familie insbesondere auch die Rolle der Männer neu zu denken und zu berücksichtigen ist. Durchaus aber ergeben sich für Frauen besondere Herausforderungen bei der Verwirklichung von Chancengleichheit und gleichwertigen Lebensverhältnissen.

Aktuell belegt die Studie der Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen zur Situation der kommunalen Gleichstellungsarbeit in ländlichen Räumen deren Bedeutung: Wer gleichwertige Lebensverhältnisse will, muss Gleichstellung stärken – erfolgreiche Gleichstellungsarbeit erhöht die Lebensqualität und die Wettbewerbsfähigkeit ländlicher Räume und begünstigt ihre positive Entwicklung insgesamt.

Die Studie belegt:

  • Kommunale Gleichstellungsarbeit in ländlichen Räumen ist existentiell. Eine Stärkung bestehender Strukturen durch einheitliche Gesetzgebung und eine bessere Ausstattung und Einbindung der Gleichstellungsstellen in der Kommune ist notwendig.
  • Frauen brauchen Perspektiven – traditionelle Rollenbilder, eingeschränkte Mobilität und erschwerte Vereinbarkeit von Beruf und Familie begrenzen ihre Entwicklungsmöglichkeiten in ländlichen Räumen.
  • Ländliche Räume brauchen flächendeckende Beratungsangebote, guten und günstigen ÖPNV, ortsnahe Gesundheitsversorgung – insbesondere für Schwangere, gute Arbeit und ausreichend Kita-Plätze vor Ort, um gleichberechtigte Teilhabe von Frauen zu ermöglichen.

Obwohl das Thema „Ländliche Entwicklung“ in den letzten Jahren stetig an Aktualität gewonnen hat, spielt Gleichstellung dabei bisher nur eine untergeordnete Rolle. Die Studie identifiziert diesbezüglich Handlungsansätze gerade auch für die kommunale Ebene.

Für die Studie wurden insgesamt 103 Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte in 13 Bundesländern, darunter 62 Städte und Gemeinden und 39 Landkreise, zu ihren Arbeitsschwerpunkten und den Herausforderungen ihres Arbeitsalltags befragt. Die qualitative Erhebung wurde in Form von Interviews und Fokusgruppen durchgeführt. Die Studie steht hier zum Download zur Verfügung.

Im Nordkreis sind weitere Treffen des Frauenforums geplant. Informationen zu Aktivitäten sind bei Kornelia Böert unter Telefon 05407 888-820 erhältlich.