Geschichte und Technik im Nettetal

Schnatgang mit herbstlichen Impressionen rund um die Wittekindsburg

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Der letzte Schnatgang dieses Jahres legte am Freitag (9. Oktober) die Schwerpunkte auf die Heimatkunde. Gut 20 Wanderer aus Wallenhorst, Osnabrück und Bramsche stiegen zu Beginn mit Prof. Konrad Arndt und Wallenhorsts Umweltbeauftragtem Udo Stangier von der Wassermühle Knollmeyer hoch zur Wittekindsburg. Diese liegt rund 35 Meter über der Nette auf einem flachen Bergrücken, der nach zwei Seiten durch steile Hänge zu den umliegenden Bachniederungen geschützt ist. Der Kern dieser Fluchtburg, deren sächsische Gründung um 750 n. Chr. liegt, ist mit durch Mauern verstärkten Wällen und vorgelagerten Spitzgräben circa 14.000 m² groß. In zwei Ecken befinden sich noch Reste von Wehrtürmen aus Steinen. Nach Südosten war das zentrale Hauptwerk mit zwei weit vorgelagerten Wällen, die noch heute erkennbar sind, geschützt. Die gesamte umwallte Fläche ist circa 13 Hektar groß. Die Burg wurde nur zeitweise als Zufluchtsstätte der ländlichen Bevölkerung vor herumziehenden Banden genutzt und war wohl nicht durchgehend bewohnt. Ob Widukind jemals auf dieser Burg war, nachdem er sich mit Karl dem Großen eine Schlacht geliefert hatte, ist nicht belegt und eher unwahrscheinlich. Ab dem 10. Jahrhundert wurde die Anlage vermutlich nicht mehr als Rückzugsort genutzt.

Anschließend führte der Schnatgang zurück an die Nette, die unterhalb der Wassermühle dicht mit Erlen aber auch Buchen bestanden ist. Der Buchenwald zeigte sich von seiner schönen herbstlichen Seite. Viele baumzersetzende Pilze wie der Hallimasch wachsen derzeit in dichten Gruppen auf Baumstümpfen und Wurzeln. Prof. Arndt erklärte die Arbeitsweise und Funktion dieser im Herbst besonders gut sichtbaren Organismen im Ökosystem Wald und machte die Wanderer auf die kleinen unscheinbaren Pflanzen wie die Moose am Wegesrand aufmerksam. Weiter ging es hinauf über den Hohn vorbei an einem Maisfeld mitten im Hochwald. Auf dem weiteren Weg konnten die üppigen Früchte der Eichen bestaunt werden. 2015 sei ein sogenanntes Mastjahr bei den Eichen, erläuterte Arndt.

An der Wassermühle wurden die Schnatgänger vom Vorsitzenden des Vereins zur Förderung und Erhaltung Knollmeyers Wassermühle, Peter Kruse, und Müller Otto Bendzulla empfangen. Diese erläuterten die gerade fertig gewordenen Restaurierungen an den Außenmauern und Fundamenten der Mühle. Im Inneren erklärten sie, wie die enorme Wasserkraft auf die drei Mahlwerke  über Zahnräder aus Metall, aber auch aus Holz, übertragen wurde. Über Lederriemen kann die Kraft der Hauptwelle – beispielsweise für Sägearbeiten oder mobile Ölmühlen – nach außen übertragen werden (sogenannte Transmission). Heute wird wieder in der Mühle Getreide zu Mehl gemahlen. Die Schnatgänger waren sich am Ende einig, dass sich die Wanderung trotz der feuchten Witterung gelohnt hatte.