Geburtstag einer (zusammen-)gewachsenen Gemeinde

Gemeinde Wallenhorst feierte "Tag des Anstoßes" 2012 und 40-jähriges Bestehen

Mitteilung von

Eigentlich waren es ein Geburtstag und eine Ehrung, die am Freitag (23. November) beim diesjährigen „Tag des Anstoßes“ in Wallenhorst gefeiert wurden. Geburtstagskind war die Gemeinde Wallenhorst, denn die Aktion zur Würdigung stand diesmal unter dem Motto „Vielfalt in Einheit: 40 Jahre Gemeinde Wallenhorst“. Geehrt wurde Karl-Heinz Voerste für sein jahrzehntelanges Engagement um das Zusammenwachsen der Gemeinde, die 1972 aus den bis dahin selbstständigen Gemeinde Hollage, Lechtingen, Rulle und Wallenhorst gebildet worden war.

 

Und eingebettet war all das in ein abwechslungsreiches Bühnenprogramm vor rund 800 Gästen, präsentiert von Moderator Christian Böwer in der Sporthalle Wallenhorst. Zu dessen Gelingen trugen vor allem auch die ehemalige schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin Heide Simonis und der ehemalige niedersächsische und sachsen-anhaltinische Minister Walter Remmers als Ehrengäste bei.


Kämpfer für Wallenhorst als Ganzes“: Preisträger Karl-Heinz Voerste


Mit einem einstimmigen Votum hatte die Jury „Tag des Anstoßes“ – der Ehrenamtliche aus verschiedenen Bereichen des Gemeindelebens angehören – im Vorfeld entschieden, den „Stein des Anstoßes“ 2012 an Karl-Heinz Voerste zu vergeben. Als der Jurymitglied und Ehrenamtsbeauftragter Karl-Heinz Ast zur Laudatio auf die Bühne trat, war das indes noch ein Geheimnis. Dieses erhielt der Laudator auch noch einige Zeit aufrecht, indem er – ohne den Namen schon zu nennen – allgemein die Bedeutung von Voerstes Engagement darstellte: „Die zu ehrende Person hat sich von Anfang an einem vergrößerten Wallenhorst und der Zusammenführung der Menschen in den verschiedenen Ortsteilen hin zu einer lebendigen Großgemeinde verschrieben.“

In vielen Ehrenämtern habe der Preisträger seine politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Positionen immer deutlich vertreten. Häufig sei er Initiator und Motor für neue Entwicklungen gewesen. Wie keine andere Person habe er über vier Jahrzehnte darum gekämpft, dass Ortsteildenken hintangestellt und Wallenhorst als Ganzes gesehen und entwickelt wurde.

Klarer wurde die Identität des Preisträgers, als Ast einige von dessen konkreten ehrenamtlichen Projekten benannte: „Geschäftsführung des Bürgervereins seit 1974, Aufbau des Bürger Echo, Einführung der Ferienspaßaktion, langjähriges Mitglied in verschiedenen Schulelternräten, Gründungsmitglied im Heimatbund des Osnabrücker Landes, Mitglied in der Wallenhorster Hanse, Mitinitiator der Wallenhorster Mahlzeit, der Bürgerbälle als Integrationsfeste, der Hobbykünstlerausstellungen, Organisator großer Konzerte mit Vico Torriani, Iwan Rebrow, Marianne und Michael und vielen anderen, Mitglied in der Jury Stein des Anstoßes.“ Engagiert habe sich der Preisträger außerdem unter anderem gegen die Ansiedlung einer Müllverwertungsanlage und gegen den Neubau der A33-Nord.

Karl-Heinz Voerste selbst zeigte sich gerührt über die Ehrung und die stehenden Ovationen, die die Menschen in der Halle ihm entgegenbrachten. „1972 hatten wir nur die Form der Großgemeinde, aber noch nicht den Inhalt“, sagte er zurückblickend. Diesen habe er mitgestalten wollen. Es sei immer wichtig gewesen, zwar die Ortsteile zu erhalten, aber nicht auf Kosten des Ganzen.

„Ohne Gebietsreform hätten wir uns nie so entwickelt“, zeigte sich der ehemalige Gemeindedirektor Voerste überzeugt. Heute sei die Gemeinde auf einem guten Weg und könne sich selbstbewusst ihren Themen widmen.

Souverän und eindringlich: Ehrengast Heide Simonis und Grußwortsprecher Walter Remmers

Jeder „Tag des Anstoßes“ ist immer nur so spannend wie seine Ehrengäste. Und so waren es diesmal Heide Simonis und Walter Remmers, die im Gespräch mit Christian Böwer von sich erzählten und über Ehrenamt und das 40-jährige Bestehen der Gemeinde diskutierten.

Heide Simonis nutzte den Rückblick auf ihren Start im schleswig-holsteinischen Landeskabinett als Folge des Barschel-Rücktritts zu einer grundsätzlichen Aussage: „Frauen werden dann etwas, wenn es den Mann vor ihnen aus der Kurve trägt.“ In Deutschland herrsche – trotz einer seit Jahren regierenden Bundeskanzlerin – große Angst vor Frauen in verantwortlichen Positionen. So habe ein bodenständiger Landwirt nach ihrer Wahl zu Deutschlands erster Ministerpräsidentin geseufzt: „Das schöne Land in der Hand von einer Frau!“ erinnerte sich Simonis schmunzelnd.

Tatsächlich gehe in der Verantwortung von Frauen ebenso viel oder wenig schief wie in der von Männern. „Frauen schaffen es auch ohne Frauenquote, nur leider versteht ihr Männer das nicht“, betonte die ehemalige SPD-Ministerpräsidentin.

Große Bedeutung maß sie dem ehrenamtlichen Engagement bei. Ehrenamt sei die einzige Möglichkeit, eine Gesellschaft lebendig zu erhalten, sagte Simonis. Sie selbst setze sich unter anderem für Krebskranke ein.

Souverän begegnete die ehemalige Politikerin ihrem anfangs immer wieder knackenden Mikrofon: „SPD-Politiker und Mikros, das hat noch nie funktioniert.“ Ganz ohne technische Schwierigkeiten hingegen stellte sie zum Abschluss des Gesprächs mit Christian Böwer ihr Gesangstalent unter Beweis. Gemeinsam sangen Ehrengast und Moderator den Kanon „Abendstille überall“ und machten dirigierend aus dem Publikum einen 800-Personen-Chor.

Mit einem eindringlichen Grußwort, bei dem man laut Moderator Böwer „eine Stecknadel hätte fallen hören können“, überzeugte der frühere Landesminister Walter Remmers. Er ermutigte dazu, sich – auch, wenn man im Großen wenig ändern zu können glaube – erst recht im Kleinen zu engagieren.

Dabei sei das Ehrenamt eng mit der kommunalen Ebene verbunden. Hier könne jeder einen Beitrag dazu leisten, dass die Gesellschaft lebenswert bleibe. „Es wird immer Not geben, aber es wird auch immer Menschen geben, die diese erträglich machen wollen“, ermunterte Remmers zum Einsatz und verstärkte diesen Appell mit einem plattdeutschen Ausspruch: „Praoten könnt' se alle, nur daon is dat Ding.“

Mit Blick auf das sogenannte Osnabrück-Gesetz, nach dem 1972 unter anderem die Gemeinde Wallenhorst gegründet worden war und das er im Landtag mit beschlossen hatte, sagte der CDU-Politiker: „Ich weiß aus eigener Erfahrung in meiner Heimat Emsland, wie schwer der Anfang war. Wir brauchten aber einfach größere Einheiten.“

Schwung aus allen Ortsteilen: das Rahmenprogramm

Rund um Ehrung und Gespräche spannte sich ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm, das Gruppen aus verschiedenen Ortsteilen mitgestalteten.

Für die gut gelaunte musikalische Einstimmung sorgte der Chor Vokal Fatal mit Sängerinnen und Sängern aus allen Ortsteilen. Unter Leitung von Marion Gutzeit trugen sie unter anderem „Proud Mary“ und „Hello Goodbye“ von den Beatles vor. Eyleen Lenz – mit ihrer Familie übrigens selbst im Jahr 2004 Preisträgerin des „Stein des Anstoßes gewesen – und Melita Hartmann von den Lechtinger Musik- und Malfreunden präsentierten zum Teil in vierhändigem Spiel stimmungsvolle Klaviermusik.

Einen unterhaltsamen Blick warfen Alois Bergmann und Hubert Schawe in einem plattdeutschen Gespräch auf das Geburtstagskind, die Gemeinde Wallenhorst, und ihre politischen Themen. Von der Wurzelbehandlung für Bäume bis hin zum „in Einzelhaft genommenen Herrgott“ in der Anna-Kapelle wurden diese auf plattdeutsch ebenso handfest wie humorvoll abgehandelt.

Ausschnitte aus dem Musical „Rebecca“, das sie kürzlich inszeniert haben, zeigten Aktive der Tanzgruppen der Sportfreunde Lechtingen. Dabei fügten sie der 2006 in Wien uraufgeführten Vorlage gekonnt eigene Akzente hinzu.

Den furiosen Schlusspunkt unter das Programm setzte das Percussion-Ensemble Green Beats. Unter Leitung des Wallenhorster Timm Pieper zeigten die europaweit gefragten jungen Schlagzeug-Künstler mit grünen Krawatten und grünen Trommeln, wie mitreißend ausschließlich auf Schlaginstrumenten gespielte Musik sein kann.

Inhaltlich hatte zu Beginn Bürgermeister Ulrich Belde in das Jahresthema eingeführt. Dabei nahm er vorweg, was sich auch durch die aus allen Ortsteilen mitgestaltete Abendveranstaltung zeigen sollte: „Längst gibt es ein Bewusstsein dafür, dass wir in allen Ortsteilen zusammengehören zu einer Gemeinde und dass der gemeinsame Einsatz für diese Gemeinde sich lohnt.“ Dass die Ortsteile zusammengewachsen seien, sei zu einem großen Teil ehrenamtlichem Engagement zu verdanken, im Sport ebenso wie auf Ebene der Kirchengemeinden, in der Kultur oder in der Wirtschaft.

Zum ganzen Bild der ganzen Gemeinde gehöre, dem Motto entsprechend, Beides: „Vielfalt – also das individuelle Leben in den Ortsteilen. Und Einheit – also das Gemeinschaftsgefühl, die gemeinsame Verantwortung für die und das gemeinsame Gestalten der Gemeinde.“ Wenn man vom „Tag des Anstoßes“ Impulse für diesen Balanceakt mitnehmen, dann sei er ebenso ein Erfolg wie die 40-jährige Geschichte der Gemeinde Wallenhorst, sagte der Bürgermeister.

Diesen Erfolg gilt es, 2013 fortzusetzen. Der „Tag des Anstoßes“ wird dann, wie Christian Böwer abschließend bekanntgab, unter dem Motto „Wallenhorst – hier spielt die Musik“ stehen.