Geben und Nehmen zwischen Afrika und Deutschland

Partner aus St. Paul in Kumi (Uganda) und St. Alexander Wallenhorst im Rathaus begrüßt

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„Es ist so kalt hier“ – das ist einer der Eindrücke, den Pfarrer Father John Eriau, Chorleiterin Margaret Adongo Akurut und der Arzt John Dokole aus der katholischen Kirchengemeinde St. Paul in Kumi (Ost-Uganda) in Wallenhorst gewonnen haben. Damit meinen sie allerdings nur das Wetter und keinesfalls die Art, in der sie in ihrer Partnergemeinde St. Alexander aufgenommen wurden.

Von Montag (30. August) bis Sonntag (12. September) war die Gruppe in Wallenhorst zu Besuch. Am Mittwoch (8. September) wurden Gäste und Gastgeber im Rathaus von Bürgermeister Ulrich Belde und Erster Gemeinderätin Karin Rodeheger begrüßt.

Die Partnerschaft zwischen den beiden Kirchengemeinden hat ihren Ursprung in dem einjährigen Freiwilligendienst, den die Wallenhorsterin Johanna Plois 2007/2008 in Kumi absolvierte. Der Kontakt riss nicht ab, weitete sich auf die Pfarrgemeinden aus und mündete im Sommer 2009 in der offiziellen Begründung der Partnerschaft. In St. Alexander bildete sich die Palex-Gruppe – das Wort Palex verbindet die Namen beider Gemeinde – , die sich der Partnerschaftsarbeit widmet.

„Wir wollen unsere gemeinsamen Wurzeln und Werte im Glauben pflegen, Spiritualität austauschen und Solidarität leben“, fasste Bernhard Plois von der Palex-Gruppe im Rathaus die Ziele der Partnerschaft zusammen. Dabei gehe es um ein Geben und Nehmen. Von den Partnern in Uganda erhalte man statt materieller Gaben viele spirituelle Geschenke: „Schließlich wollen wir aus der Partnerschaft auch etwas lernen.“

Gelassenheit, Herzlichkeit auch bei nur kurzen Begegnungen und ein offener Blick in die Welt seien nur einige der Eigenschaften, die man sich von den Gästen abschauen könne. „Diese Partnerschaft ist wie ein Programm gegen Engstirnigkeit“, verglich Bernhard Plois, und seine Tochter Johanna ergänzte: „Man lernt, scheinbar Selbstverständliches zu hinterfragen.“

Umgekehrt hätten sich viele Wallenhorster bereits ganz konkret für Kumi stark gemacht. Vor allem die Messdiener von St. Alexander seien zu nennen, die beispielsweise durch einen Sponsorenlauf eine Wasserstation für eine Schule mitfinanziert oder die Ausbildung einer Krankenschwester unterstützt hätten.

Die Vergleiche der politischen Systeme in Uganda und Deutschland waren ein weiteres Thema des auf englisch geführten Gesprächs. Dabei zeigten sich die Gäste besonders interessiert an der kommunalen Selbstverwaltung. Father John berichtete von den Bestrebungen, in seinem Heimatland das demokratische Mehrparteiensystem zu festigen.

Auch weitere deutsche Eigenheiten sind den Besuchern, die in wechselnden Gastfamilien untergebracht sind, aufgefallen. Alle seien so diszipliniert, beispielsweise im Straßenverkehr, schilderte Father John.

„Nur die Kälte ist hier unser Feind“, stellte er augenzwinkernd fest. Die Gäste, die von zu Hause tropische Temperaturen gewohnt sind, konnten angesichts des verfrühten deutschen Herbstbeginns gar nicht genug Kleidungsschichten übereinander tragen. Derart gut „verpackt“, nahmen sie am Leben der Pfarrgemeinde teil, indem sie das Pfarrfest ebenso besuchten wie den Kindergarten, das Frühstück des Frauenbundes und eine KAB-Radtour. Auch Köln mit dem weltberühmten Dom war eine Station.

Mit all diesen Inhalten war die Reise für sie, die bislang Uganda noch nie verlassen und nie in einem Flugzeug gesessen hatten, ein einzigartiges Erlebnis. Eine Ansicht, die ihre Gastgeber für sich ebenfalls bestätigen: „Diese Begegnung und die ganze Partnerschaft vermitteln einen ganz anderen Blick auf das eigene Leben.“

Für alle Beteiligten ist deshalb klar, dass die Partnerschaft in beiden Gemeinden ausgebaut werden soll. „Das Pfarrfest am 5. September war eine gute Gelegenheit, die Partnerschaftsarbeit zu präsentieren“, sagte Bernhard Plois.

Bürgermeister Ulrich Belde betonte, die Gemeinde Wallenhorst sei über diese Partnerschaft ebenso froh wie über viele andere international verbindende Projekte, die gerade die örtlichen Kirchengemeinden vorantrieben. Solches Engagement weite den Blick und gebe wertvolle Impulse für das eigene Leben.

Anschließend verewigten sich die Gäste im Goldenen Buch der Gemeinde. Bevor sie sich wieder aus dem Rathaus verabschiedeten, besichtigten sie außerdem noch den Ratssaal.