Es blüht am Wegesrand

Regionales Saatgut trotzt der Trockenheit und hilft der Artenvielfalt

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Sommer 2026 – hohe Temperaturen und kaum Regen. Es ist in der Region Osnabrück so trocken wie seit gut 70 Jahren nicht. Doch auf zahlreichen öffentlichen Grünflächen und Wegerandstreifen in Wallenhorst blüht es farbenfroh. Wie kann das sein? „Die Mischung macht’s“, sagt Wallenhorsts Umweltbeauftragte Isabella Markfort. „Genauer gesagt die ‚Osnabrücker Mischung‘ – eine speziell für die Region entwickelte Saatgutmischung mit heimischen, gebietseigenen Wildstauden.“

Seit rund acht Jahren werden in Wallenhorst auf öffentlichen Flächen und Wegerandstreifen entlang von Ackerrändern vermehrt Blühflächen angelegt. Bei regelmäßiger, fachgerechter Pflege bieten diese Blühflächen zahlreichen Insekten einen sehr wertvollen Lebensraum. Die Einsaat erfolgt in der Regel im Spätsommer oder Herbst, wobei auf dem überwiegenden Teil der Flächen die „Osnabrücker Mischung“ genutzt wird. Die darin enthaltenen Pflanzen sind optimal an das hiesige Klima angepasst und sehr strapazierfähig.

Blühmischungen oder regionales Saatgut

„Zwar bieten im Handel häufig erhältliche einfache ‚Bienen-Blühmischungen‘ verschiedenen Schmetterlingen und Bienen Nektar und Pollen, besonders wichtig ist jedoch, dass in den Mischungen auch Futterpflanzen für die Raupen enthalten sind“, erläutert Markfort. So benötige beispielsweise der Schwalbenschwanz-Schmetterling als Raupennahrung unter anderem Wilde Möhre, während etwa 25 Falterarten auf Labkraut-Arten als Futterpflanze für ihre Raupen angewiesen seien. „Darunter sind auch gefährdete Arten. Fehlen diese Futterpflanzen, fehlen auch die Arten.“

Zweimal jährlich wird gemäht

Um die Blühflächen möglichst langfristig zu erhalten, sind eine regelmäßige Pflege und der passende Standort notwendig. Dazu gehört vor allem eins: sie regelmäßig zu mähen. Um keinen zu tiefen Einschnitt für Insekten und andere Tiere herbeizuführen, geschieht dies in Abschnitten. Etwa die Hälfte der jeweiligen Flächen wird im Mai/Juni zur Zeit der Margeritenblühe abgemäht, der andere Teil im Herbst. „Der Zeitpunkt der ersten Mahd ist wichtig, da so die Wildstauden die Möglichkeit haben nachzuwachsen und erneut zu blühen“, erklärt Wallenhorsts Umweltbeauftragte. „Anfang/Mitte August zeigt sich dann, wofür die Pracht zwei Monate zuvor weichen musste. Die Wildstauden blühen wieder und bieten Insekten, die ansonsten zur jetzigen Zeit wenige Blühpflanzen finden, erneut frische Futterpflanzen.“ Für die Entwicklung der Insekten sei es zudem wichtig, alte Blütenstände zum Teil bis zum nächsten Frühjahr stehen zu lassen, damit zum Beispiel Schmetterlingspuppen, die daran überwintern, im kommenden Jahr schlüpfen könnten.

Das Mähen der Flächen hat einen weiteren wichtigen Effekt: Den Abtrag von Nährstoffen. „Viele unserer heimischen Wildstauden sind auf nährstoffarme Böden angewiesen. Je nährstoffärmer die Flächen, desto blütenreicher sind sie und desto länger bestehen sie“, erläutert Markfort. „Die Wegerandstreifen in Rulle wurden beispielsweise im Herbst 2020 eingesät. Mit den Jahren haben sich hier die Pflanzen durchgesetzt, die mit den entsprechenden Bodenverhältnissen am besten zurechtkommen.“

Rund 2,5 Hektar Blühflächen

Nicht zuletzt trotzen unsere heimischen Pflanzen dem Klimawandel. Wo in trockenen, sehr heißen Sommern wie diesem die meisten Gräser und Pflanzen vertrocknen, blüht es an den eingesäten Wegeseitenrändern in Wallenhorst noch vielfältig und farbenfroh. Insgesamt gibt es in der Gemeinde inzwischen rund 2,5 Hektar Blühflächen, die mit regionalem Saatgut angelegt wurden.