Erdgeschichte und Kultstätten im Piesberg

Naturkundlicher Schnatgang zwischen Wissen und Glauben

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Zu einer naturkundlichen Wanderung mit heimatkundlichen Aspekten im Nordosten des Piesberges hatte Wallenhorsts Umweltbeauftragter Udo Stangier am Freitag (5. September)  eingeladen, und über 40 Mitwanderer aus dem gesamten Landkreis standen am Grubenweg bereit.
Als fachkundige Wissenschaftler waren Prof. Dr. Konrad Arndt für die Pflanzenkunde und Dr. Horst Klassen, Geologe und Experte für die Tiefen des Piesbergs, mit von der Partie und begleiteten die Wanderer zu mythischen Kultstätten, extremen Lebensräumen und hinab in die Erdgeschichte.

Schon am „Knieanbetungsstein“ musste Horst Klassen darauf hinweisen, dass die zwei länglichen Rillen durchaus übliche Risse im Konglomeratgestein sein könnten und nicht zwingend „Blutrinnen“ in einem Opferstein sein müssten. Von der Aussichtsplattform konnten dann mindestens fünf Flöze (Kohleschichten) als schwarze Bänder im sonst eher gelblichen Gestein des Piesbergs erkannt werden. Die Entstehung aus Sumpfwäldern, die später verschüttet wurden, stellte der Geologe ebenso plastisch dar wie die Tatsache, dass die Piesberger „Anthrazit-Kohle“ besonders gut brennt und welche Rolle der Vulkanismus im Erdinneren dabei spielte.

Die besonderen Fähigkeiten der Pionierpflanzen, die ihnen in der „Wüste“ eines Steinbruchs zum Vorsprung vor anderen Konkurrenten verhelfen, erläuterte Konrad Arndt. Ob nun bestimmte Kreuzkräuter, Glasspitzenmoos, die Heide, die nicht Erika heißt oder Sandbirke und Zitterpappel: für alle „Spezialisten“ aus der Pflanzenwelt hatte er eine Erklärung parat. Auch über den Baum des Jahres 2014, die bei uns seltene Traubeneiche und ihre Schwesterart, die sonst so verbreitete Stieleiche und ihre Unterschiede  informierte der Botaniker.  

An den Johannissteinen wurde die Legende von den Fußspuren des Täufers entzaubert. Erst  1977 hatte ein Beteiligter die Abdrücke als Handarbeit von Vater und Onkel in den 1920er Jahren offenbart. Sie sollten als Aufhänger für ein lokales Märchenbuch dienen.

Gegen Ende der Wanderung „fischte“ Udo Stangier eine frisch umgewandelte, gut einen Zentimeter kleine Kreuzkröte aus einer Reifenspur. Sie musste für den Vergleich zwischen häufigen Erd-Kröten und seltenen Kreuzkröten herhalten und wurde als „Charakterart“ des Piesberges bezeichnet. Auch der später gefangene Grasfrosch musste als gern gesehenes Fundobjekt eine intensive Betrachtung der Schnatgänger ertragen, bevor er in die nächste Pfütze entlassen wurde.