Der Fluch der verflixten Sieben

Matthias Brodowy begeisterte Wallenhorster Publikum mit "Offenbarung"

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Das Programm hieß „Offenbarung“ und war auch eine für die Zuschauer: Am Freitag (23. März) trat der Kabarettist Matthias Brodowy im Wallenhorster Rathaus auf.

 

Mit seinem Mix aus Klaviermusik und Kabarett begeisterte der Hannoveraner sein Publikum. Als selbst ernannter „Vertreter für gehobenen Blödsinn“ blödelte er sich mit Niveau durch das aktuelle Zeitgeschehen. Vom Beinahe-Fürsten zu Guttenberg mit seiner „Prinzessin Lillifee“ bis hin zum Stuttgarter Wutbürger, der sich auch durch einen Volksentscheid pro Bahnhofsneubau nicht von seinem angeblich guten Recht abbringen lässt: Brodowy nahm den Adel ebenso aufs Korn wie die Menschen von nebenan.

Immer wieder ergänzt durch selbstkomponierte und -getextete Lieder am Klavier, warf er einen kritischen Blick auf Figurbewusste, die sich mittels Weight Watchers durch ihre Mahlzeiten zählen ebenso wie auf sture Mittlere-Spur-Nutzer auf der Autobahn. Die Dauerpräsenz des Smartphones veranlasste ihn zu einer wehmütigen Erinnerung an die 70-er Jahre, „als man noch das Haus verlassen konnte, ohne dass die Hose vibrierte.“

Seine wütende Kritik an moderner Sklaverei zugunsten von Billigklamotten drückt Matthias Brodowy ebenso überzeugend aus wie seine Liebe zu Norddeutschland. Und er muss nicht politisch sein, um ansprechend zu unterhalten, sondern schafft das auch als Gast an einer imaginären Hotelbar, an der ihm statt der ersehnten Groupies nur „betrunkene Handlungsreisende“ begegnen.

Immer wieder bezieht sich der Schnellsprecher auf die Sieben als die mystischste aller Zahlen. Schließlich ist nicht nur „Offenbarung“ sein siebtes Programm, sondern gibt es auch sieben Todsünden, sieben Zwerge, sieben Tage und sieben Köpfe sowie sieben Geißlein. Von den sieben Jahren, die zu Guttenberg für das „Verfassen“ seiner Doktorarbeit benötigte, ganz zu schweigen: „Das musste ja schiefgehen.“

Alles in allem mögen wohl Vertreter oft als eher lästig empfunden werden – Matthias Brodowy als Anbieter von „gehobenem Blödsinn“ hingegen war den Wallenhorstern hoch willkommen. Wer das verpasst hat und im Fernsehen nachvollziehen will, kann ihn am Donnerstag (5. April) in der Satiresendung „Intensivstation“ im NDR-Fernsehen erleben.