Da sein, Hinhören, Mut machen

Hildegard Knochenwefel mit Medaille für vorbildliche Verdienste um den Nächsten ausgezeichnet

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„Diese Medaille erhalten Menschen, die Nächstenliebe leben“ – mit diesen Worten begleitete Dr. Michael Lübbersmann als Landrat des Landkreises Osnabrück am Donnerstag (23. Mai) die Verleihung der Medaille für vorbildliche Verdienste um den Nächsten an Hildegard Knochenwefel aus Wallenhorst.

Nächstenliebe leben: Was dahinter steht, verdeutlicht ein Blick auf Hildegard Knochenwefels bewegte Lebensgeschichte, in der sie sich immer für Menschen – besonders auch für Menschen in Not – eingesetzt hat.

Im Alter von 60 Jahren kam die heute 78-jährige gebürtige Hollagerin, die sich auch rund neun Jahre im Kloster Nette vor allem der Kinderseelsorge gewidmet hat, und sich, nachdem sie den Orden aus gesundheitlichen Gründen verlassen musste, nach dreißig Jahren als Geschäftsführerin eines kleinen Luxushotels in Frankfurt als „Missionsschwester ohne Habit“ vor allem um die unbekannteren, einfachen Gästen kümmerte, in ihre Heimat nach Wallenhorst zurück und knüpfte hier schnell wieder Kontakte.

So bat der damalige Pfarrer Ahrens sie um Mithilfe in der Kirchengemeinde St. Alexander. „Damit begann eine ganz besondere Zeit für die Kirchengemeinde und viele ihrer Mitglieder“, so Pfarrer Schöneich, der in Absprache mit Führungspersonen aus Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand Frau Knochenwefel für die Ehrung vorgeschlagen hatte. Ihr Engagement sei einzigartig. Dabei mache sie viele Aktivitäten im Verborgenen. So besuche sie viele einsame, ältere und kranke Menschen zu Hause und im Krankenhaus, sei einfach für sie da. Sie verrichte das Totengebet, wenn es in den Familien an Personen fehle, die in der Lage seien, diesen Dienst zu tun. Das gebe vielen Trauernden Trost und helfe, Abschied zu nehmen. Auch als Lektorin verkünde sie in ganz besonderer Weise das Wort Gottes. Selbst rund um das Grundstück St. Alexander lege Frau Knochenwefel „Hand an“ wann immer Not am Mann sei. So sei ihm von mehreren Gemeindemitgliedern berichtet worden, dass Frau Knochenwefel morgens um 6.15 Uhr gesehen worden sei, als sie Unkraut jätete. Diese Verdienste stellte auch der Landrat bei der Ehrung im Wallenhorster Rathaus ausführlich dar. Anerkennend betonte er: „Das ist es, was Nächstenliebe ausmacht: sich für andere einsetzen, zuhören können, da sein und Mut machen.“ „Wer sie kennenlerne,“ so Lübbersmann unter Bezug auf Hildegard Knochenwefels lebensfrohe und rege Ausstrahlung, „stelle schnell fest, dass sie positive Signale aussende“ und ergänzte, dass jede Gesellschaft solch Vorbilder und „Brückenbauer“ brauche.

Wallenhorsts Bürgermeister Belde bewertete Hildegard Knochenwefels Engagement als umso wertvoller vor dem Hintergrund, dass sich heute die meisten Menschen nur um ihre eigenen Lebensbereiche kümmerten. „Sie haben sich über das übliche Maß hinaus für die Mitmenschen in der Gemeinde eingebracht, das macht auch uns als Gemeinde stolz“, sagte Belde. Er wünsche Frau Knochenwefel weiter viel Kraft, um noch lange an dieser Lebenslinie weiterarbeiten zu können.

Hildegard Knochenwefel selbst, die die Ehrung in Anwesenheit von Familie und engen Freunden sichtbar gerührt entgegennahm, versprach: „Ich werde weitermachen. Die Ehrung nehme ich stellvertretend auch für die Menschen entgegen, die mich in der Zeit begleitet haben, und die vielen anderen ehrenamtlich Tätigen.“

Die bewegende Feierstunde wurde musikalisch umrahmt von jungen Musikern aus der St. Alexander-Gemeinde. Die Medaille für vorbildliche Verdienste um den Nächsten verleiht der Ministerpräsident des Landes Niedersachsen. Sie geht an ehrenamtlich tätige Personen, die sich unter persönlichem Einsatz vorbildlich in den Dienst ihrer Mitmenschen gestellt haben. Jährlich werden damit in Niedersachsen rund 25 Personen ausgezeichnet.