Umgestaltung des Andachtsplatzes

Die vergößerte Platzfläche soll zum Mittelpunkt des Ortes werden....

Ratsbeschluss über die Planung zur Ausschreibung der Maßnahme am 25.06.2019

Planung des künftigen zentralen Platzes
Planung des künftigen zentralen Platzes

Durch die Neugestaltung des Ortskerns von Rulle mit dem Umbau des Knotenpunktes zum Kreisverkehrsplatz vergrößert sich die Fläche des `Andachtsplatzes´ mit dem Prozessionskreuz deutlich. Er erhält durch seine zentrale Lage, durch seine künftige Dimensionierung und seine Funktion in der Abfolge der platzräumlichen Gefüge im Ortskern von Rulle eine zentrale Funktion und Ausstrahlungskraft. Er steht als zentraler öffentlicher Platz künftig im Dialog mit den umliegenden Freiflächen und platzräumlichen Situationen und soll eine dieser Funktion entsprechende Umgestaltung hinsichtlich seiner Aufenthaltsqualität und Identität erfahren. In den politischen Gremien wurden daher schon im Zuge der Beratungen zum ersten Bauabschnitt im Ortskern von Rulle mögliche Gestaltungsansätze diskutiert und grundlegende Gestaltungsaspekte abgestimmt. Im März 2018 erfolgte der Ratsbeschluss, dass der Platz im Zuge der Dorferneuerung umfassend mit umgestaltet werden soll. Zum Stichtag im Herbst 2018 wurde der Förderantrag gestellt. Seit Mitte April 2019 liegt der Förderbescheid durch das Amt für regionale Landesentwicklung (ARL) vor.

Am 25.06.2019 wurde der Ratsbeschluss über die Ausführungsplanung und die Durchführung der öffentlichen Ausschreibung der Maßnahme gefasst. Nach dem erfolgten Vergabebeschluss soll ab September 2019 planmäßig in Rulle weitergebaut werden. Die Pflanzmaßnahmen des Platzes sollen dann im Herbst zeitgleich mit denen des ersten Bauabschnittes erfolgen und die Neugestaltung in dem Bereich rund um Ärtehaus, Apotheke, Andachtsplatz und Wittekindplatz im Oktober / November abschließen.

Prozessionskreuz als Wegekreuz, Platz gleichzeitig Rückzugsraum und Prozessionsplatz - aber offen zum Ortskern

Platzgestaltung folgt Historie

Der vorliegende Entwurf nähert sich dem „Andachtsplatz“ aus dem historischen Kontext: Rulle ist mit einer seit über 650 Jahren andauernden Wallfahrtstradition einer der großen Wallfahrtsorte im Bistum Osnabrück. Das „Ruller Blutwunder“, die Verehrung der Muttergottes und die Legende vom heilenden Wasser aus dem Marienbrunnen ziehen auch heute noch jährlich zahlreiche Pilger an. Zielorte sind die Wallfahrtskirche St. Johannes mit der Gnadenkapelle und dem Brunnen. Aber auch die im Ort vorhandenen Prozessionsplätze sind wichtige Orte der kirchlichen Tradition und der Ortsgeschichte. Der „Andachtsplatz“ steht im Zusammenhang dieses traditionellen Prozessions- und Andachtsgeschehens. Er ist auch heute noch Bestandteil der Prozession innerhalb des Wallfahrtsgeschehens und Austragungsort der traditionellen Fronleichnamsprozession im liturgischen Jahresablauf. Das auf dem Andachtsplatz befindliche Wegekreuz war geschichtlich als „Kreuz unter der dicken Linde“ bei Wallfahrern und Bürgern bekannt. Es handelte sich hierbei um das Prozessionskreuz umgeben von einer Jahrhunderte alten Baumgruppe (dreistämmig mit je 5 bis 6m Stammumfang). Das Kreuz stand in der Sichtachse des ´Eschweges´ und war gemeinsam mit dem Baum eine bedeutende Landmarke, die bereits weithin aus den Straßenbeziehungen sichtbar war und den Eingang des Dorfes markierte.

Die Verbreiterung der ´Wittekindstraße´ machte das Fällen der Baumgruppe und das Versetzen des Kreuzes in der Historie erforderlich. Zuletzt wurde das Kreuz 2014 an seinen jetzigen Standort versetzt und rückte damit wieder in die historische Sichtachse aus dem ´Eschweg´ und in die Funktion eines Wegekreuzes, wenn auch nicht am historischen Standort unmittelbar an der Verkehrsachse. Der Standort soll beibehalten werden. Er biete Vorteile im Prozessionsablauf mit der vorhandenen Aufstellfläche vor dem Kreuz und außerhalb der Verkehrsachsen. Die Zuordnung in Richtung Ärztehaus und in die Sichtachse des ´Eschweges´ ist stimmig im historischen Kontext aufgrund der Sichtbarkeit als Wegekreuz und der Bedeutung des Kreuzes innerhalb der ´Ostercappelner Pestprozessionen´.

„Blumeninseln“ aus Natursteinmauern und eine einheitliche Leitbepflanzung schaffen Identität und Aufenthaltsqualität

Die Grundsatzentscheidung des Rates für die Weiterverfolgung der Entwurfsvariante „Blumeninseln“ rührt aus der bewussten Entscheidung, die Platzflächen nicht deutlich in sich abzugrenzen und mit klaren Raumkanten nach außen als Rückzugsort zu schließen. Die Gestaltung soll vielmehr der ursprünglichen Bedeutung des Wegekreuzes Rechnung tragen, sichtbar in den öffentlichen Raum hinein zu wirken. Der Platz wird, dem identitätsstiftenden Gestaltungsansatz der Umgestaltung der Straßenseitenbereiche des Ortskerns folgend, durch zwei Hochbeete aus Bruchsteinmauern eingefasst. Diese dienen der Abgrenzung des Platzes zum Straßenverkehrsraum hin, um auf dem Platz einen Rückzugsraum zu schaffen, der zum Innehalten und Verweilen einlädt. Die Bruchsteinmauern nehmen die Gestaltung des weiteren Ortskernbereiches auf und markieren den besonderen Ort. Die Hochbeete sind so angeordnet, dass sich der Platz gleichsam zum Verkehrsraum, zum übrigen Zentrum hin öffnet und eine gute Durchgängigkeit und Verbindung besteht. Gleichermaßen entsteht durch die Anordnung der Beetflächen eine größere zusammenhängende Fläche auf dem Platz, die sowohl das Prozessionsgeschehen, als auch kleinere Veranstaltungen auf der Platzfläche erlaubt, aber gleichermaßen nicht zu überdimensioniert und leer wirkt. Die Bepflanzung folgt der einheitlichen Leitbepflanzung für den Ortskern von Rulle. Wiederkehrende Solitärgehölze, Gräser, Stauden und Blumenzwiebeln sollen dauerhaft blühende und nach kurzer Standzeit auch pflegearme Pflanzbeete bilden. Die Gehölze werden so angeordnet, dass die historische Sichtbeziehung zum Wegekreuz auf dem Platz aus dem ´Eschweg´ erhalten bleibt.

Das Kreuz bleibt unangetastet an seinem jetzigen Standort erhalten, um auch die in der Vergangenheit teilweise durch Spenden und Ehrenamt erbrachten Leistungen zu würdigen. Im Umfeld des Kreuzes wird auf Bruchsteinmauern verzichtet. Wie bereits heute in ähnlicher Form vorhanden, soll eine Heckenpflanzung den Bereich des Kreuzes einrahmen und betonen. Eine sich unmittelbar vor dem Kreuz befindliche Bepflanzung stellt das Kreuz künftig auf einen „grünen/blühenden“ Sockel aus Kleingehölzen, blühenden Stauden und Blumenzwiebeln. Das auf dem Platz befindliche Pflanzbeet wird als bodenebenes Beet ausgeführt. Das erlaubt hier die Pflanzung eines größerkronigen Baumes, der die Umgebung beschirmt und Schatten für das Umfeld spendet. Als Sitzgelegenheiten kommen Bänke mit Holzauflage gemäß den Förderkriterien zum Einsatz. Diese werden mit Rücken- und Armlehne zum erleichterten Setzen und Aufstehen versehen. Es wird derselbe Banktypus wie auf den Kirchplatz in Rulle und im ersten Baubschnitt des Zentrums verwendet. Die Bänke werden so angeordnet, dass sich zum Verweilen sowohl Schatten- als auch besonnte Bereiche anbieten. Ergänzend wird der Platz mit einem Mülleimer ausgestattet. Die Straßenbeleuchtungseinrichtungen werden auf und am Platz zur Vermeidung von Dunkelräumen ergänzt.

Die Platzgestaltung wurde so umgesetzt, dass zum Feuerwehrgrundstück eine ausreichende Durchgangsgröße auf der eigentlichen Platzfläche besteht. Somit bleibt die Platzgestaltung weitestgehend unabhängig von der künftigen Nutzung des Feuerwehrgrundstückes und der Platz wirkt immer für sich. Die vorhandene Wegebeziehung zum Ärztehaus hinter dem Kreuz soll erhalten bleiben, um eine zügige Durchgängigkeit vom Ärztehausparkplatz in Richtung der Verbrauchermärkte zu ermöglichen. Hinter dem Kreuz, verborgen und eingefasst von einer Hecke, sind Versorgungsschränke positioniert, die neben der Verteilung für die Straßenbeleuchtung auch der Versorgung des Platzes mit Strom dienen können.